Literatur-Porno von Nicholson Baker

Man kann wirklich langweiligere Einstiege wählen: Shandee findet eine Hand in einem Steinbruch, sie "war warm, die Finger bewegten sich ein wenig. Die Hand zeigte eindringlich auf ihre Tasche, also stopfte sie sie hinein" – ja, was denn sonst? Oder was hätten Sie mit einer lebendigen Hand, genauer: mit einem abgetrennten Arm gemacht? Es dauert nicht lange, da geht "Daves Arm" fremd mit Shandees Freundin Rianna, die es sich von ihm besorgen lässt. Kein Problem: Shandee kommt ein bisschen später an die Reihe.
Es sind zwei Dinge, die am meisten faszinieren an Nicholson Bakers erotischem Roman "Haus der Löcher": die stupende Fantasie des Autors und die Selbstverständlichkeit, mit der hier sämtliche Figuren beinahe alles miteinander machen. Vorausgesetzt, sie wollen es tun. Lust und Zwang gehören bei Baker nicht zusammen, was erfreulich ist. Frauen werden nicht erniedrigt. Die Machtspiele, die gespielt werden, sind stets lustvoll-freundlicher Art.
Nun, liebe Leserinnen und Leser, wollen Sie natürlich wissen, was es mit diesem "Haus der Löcher" auf sich hat. Und wie man dort hinkommt. Durch einen Strohhalm, einen Trockner im Waschsalon, durch das Loch in der Eichel Ihres Schwanzes – probieren Sie es aus! Löcher also sind die Pforten zu einer Lewis-Carroll-artigen Sex-Parallelwelt in Gestalt eines imposant geilen Fantasie-Resorts. Schamfreier Sex ist Glück, sagt dieser humorvolle, ziemlich unterhaltsame Literatur-Porno. Wie wäre es jetzt mit einer Fahrt auf einem Masturboot? Shandee ist wahrscheinlich auch da.

[Michael Saager]


* Nicholson Baker: Haus der Löcher. Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Rowohlt Verlag. 320 Seiten. € 19.95

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