Die Liebesexpertin im MEIER-Exklusiv-Interview

Sie wird gerne als „Sexpertin“ bezeichnet, dabei mag sie den Begriff nicht. Im Juni war Lilo Wanders mit dem Programm „Pulsschlag tief in ihr“ in Mannheim. „Die Grande Dame der Sexual-Aufklärung zündet ein sinnliches Feuerwerk, das Fantasie und Lust beflügelt“, hieß es in der Ankündigung. Im MEIER-Interview spricht Lilo Wanders (hinter der Figur steckt der 1955 geborene Schauspieler Ernie Reinhardt) über Mannheim, Missverständnisse und Halbwissen.

Meier Sie sollen mal gesagt haben, dass alle Menschen Ihnen sofort vertrauliche Dinge erzählen. Stimmt das?

Lilo Wanders Ja, das geht ganz schnell. Auch die größten Lebensgeheimnisse. Manchmal ist es eine Belastung ...

Meier Gut, ich versuche mich zurückzuhalten ...

Wanders Ach nein, eigentlich finde ich es ganz toll, wenn Menschen mir so viel Vertrauen entgegenbringen. Ich bekomme auch andauernd Post und werde um Ratschläge gebeten. Das ist schon in Ordnung.

Meier Über welche Themen wollen die Menschen mit Ihnen sprechen?

Wanders Beziehungsgeschichten, Erlebnisse, die sie geprägt haben, Verschiedenes, pauschal kann man das nicht sagen.

Meier Werden Sie auch gefragt, wie oft Sie selbst Sex haben – weil Sie ja regelmäßig über Sexualität sprechen?

Wanders Auch das kommt vor. Meistens stellen aber Journalisten diese Frage.

Meier Na dann: Wie oft haben Sie Sex?

Wanders Über mich selbst rede ich eigentlich gar nicht viel. Ich bin ein Funktionsträger. Man unterstellt mir, dass ich über das große Ganze sehr viel weiß. Und das tue ich tatsächlich. Ich gehe auf das ein, was denjenigen bewegt, der mir gegenüber sitzt. Da muss ich nicht auch noch meine eigenen Lebensbeichten ablegen.

Meier Am 1. Juni kommen Sie wieder nach Mannheim. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt?

Wanders Ich erinnere mich an viele schöne Abende – auf der Bühne, aber auch hinterher, in Kneipen und Bars. Und ich weiß noch wie ich Text lernend durch die Straßen gelaufen bin, als ich im Nationaltheater Marlene gespielt habe. Mannheim ist für mich eine Stadt, in der ich sehr viel zu Fuß gelaufen bin, weil ich beim Laufen meine Texte lerne.

Meier Das Mannheimer Programm heißt „Pulsschlag tief in ihr“. Ist es eher eine Lesung oder ein Kabarettprogramm?

Wanders Weniger eine Lesung. Ich lese zwar erotische Stellen der Weltliteratur vor, aber dazwischen garniere ich mein Programm mit kabarettistischen Anmerkungen. Und ich erzähle viel, zum Beispiel, wie ich zum Lesen gekommen bin.

Meier In der Ankündigung steht, dass Sie unter anderem „unerwartet Erotisches aus der Bibel“ präsentieren. Können Sie mehr verraten?

Wanders Ja, aber jetzt noch nicht ... Das ist auch nur der Einstieg in andere Geschichten. Ich verblüffe natürlich gerne, und wenn ich die Bibel zücke, dann merke ich, wie im Publikum einige schon „Ach, oh Gott!“ sagen. Nur: Bei mir geht es nicht nur um pure Sexschilderungen, sondern auch um die Schönheit der Sexualität. Ich versuche die ganze Bandbreite abzudecken. Deshalb habe ich auch die Bibel dabei.

Meier Was denken Sie: Glauben die meisten Leute, die Lilo Wanders kennen, immer noch, dass Lilo Wanders echt ist, also keine von einem Mann gespielte Figur?

Wanders Letztlich spielt das keine Rolle. Wenn ich auf der Bühne stehe, passiert eine Form von Zauber, eine Form von Magie. Wir machen uns einen schönen Abend, und da ist es dann auch egal, wer hinter der Maske steckt.

Meier Mit Erika Berger haben Sie das Buch „Sex – Deutsch / Deutsch – Sex“ geschrieben. Im Infotext zum Buch heißt es: „Nirgends gibt es mehr Missverständnisse als bei der schönsten Nebensache der Welt.“ Was sind die größten Missverständnisse?

Wanders Nicht erst seit Loriot wissen wir, dass Männer und Frauen eigentlich nicht zusammenpassen. Eines der größten Missverständnisse ist, dass wir nicht miteinander reden, uns nicht austauschen über das, was wir fühlen und denken. Den anderen und die andere verstehen und sehen lernen – das ist die große Aufgabe.

Meier Sie sagen, dass gerade junge Menschen oft nur Halbwissen haben hinsichtlich der Sexualität. Welches Halbwissen ist besonders kurios und gefährlich?

Wanders Es gibt viele Legenden, die unter Jugendlichen ausgetauscht werden. Es gibt Kids, die glauben: Wenn sie im Stehen poppen, kann das Mädchen nicht schwanger werden. Mädchen glauben, sie können sich die Pille teilen. Oder ein anderes Beispiel: Jungs benutzen zwei Kondome. Natürlich ist es richtig, überhaupt Kondome zu nehmen, aber zwei übereinander bedeutet: Reibung an Reibung, die Gummis werden porös. Und dann wundern sich die Jungs, dass sie mit 14 Vater werden.

Interview: Dimitri Taube (MEIER 6/2012)

 

 

 

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