Achim Hagemann alias Pavel Popolski im MEIER-Interview

Ihr Motto ist: „Da geht der Post ab durch der Decke!“ Ihr aktuelles Programm heißt: „Get the Polka started.“ Im März kommt „der Familie Popolski“ damit auch nach Mannheim. Familienoberhaupt Pavel Popolski freut sich schon. Pavel ist eine Figur von Achim Hagemann (auf unserem Foto der gutgekleidete Herr vorn in der Mitte). Im Interview verrät der 46-jährige Musiker, was die Popolskis mit der Popakademie zu tun haben, ob der Wodka auf der Bühne echt ist und was die Familie diesmal „enthullen“ will.

MEIER Es heißt, die Popolskis haben die Popmusik erfunden. Haben Sie eigentlich auch etwas mit der Popakademie in Mannheim zu tun?

Achim Hagemann Wir haben eine Initiative ins Leben gerufen: Polka in der Popakademie. Wir sagen: Polka in der Hutte! Polka für Mannheim! Wir suchen noch Unterstützer und machen uns stark für zwei neue Kurse: „Polka für Anfänger“ und „Wodka für Fortgeschrittene“. Beides ist wichtig für die Verbreitung der Polka in der Gegend in und um Mannheim. Der Wodka-Kurs ist aber schon ausgebucht.

MEIER Eine Show der Popolskis besteht aus Coverversionen, Improvisation und deutsch-polnischer Comedy. Sie tragen auffallende Klamotten und trinken Wodka auf der Bühne ... Ist das so richtig beschrieben?

Hagemann Das kann man so sagen, aber man sollte noch ergänzen, dass es sich um eine Polka-Show handelt – eine Polka-Show der Nachfahren des Erfinders der Popmusik. Wir sind ja alle die Enkel von Pjotrek Popolski, dem Mann, der 128.000 Popsongs geschrieben hat, und auf unseren Konzerten rücken wir das völlig falsche Bild, das man über die Popmusik hat, gerade. Wir erzählen, wie die Popsongs wirklich geschrieben worden sind. Und spielen sie dann endlich in der einzig wahren Originalversion, die natürlich völlig anders ist als der verhunzte Versionen, was man aus der Radio kennt. Leidärr.

MEIER Der Wodka auf der Bühne ist aber nicht echt, zumindest nicht immer. Oder doch?

Hagemann Das ist bei uns eine 98-prozentige Spezialmischung – für den erfahrenen Wodka-Trinker während der Polka-Show. Die trinke nur ich.

MEIER Zu der Show gehört auch, dass Sie – als Pavel Popolski – mit polnischem Akzent sprechen. Wieso die Verbindung zu Polen?

Hagemann Wir fanden es zum einen sehr lustig, dass das Klischee, das man oft mit den Polen verbindet, das Klauen, mal umgedreht wird. In unserer Geschichte sind die Polen die massiv Beklauten und alle anderen klauen. Außerdem hatte ich lange Zeit eine Freundin, die aus Polen kam, und so bin ich in die polnische Community ein bisschen eingetaucht und habe das Wodka-Trinken und den Akzent an langen Abenden kennengelernt. Und dann dachte ich: Das wäre doch mal eine Chance, eine andere Show zu machen. Eine Show, die in Polen spielt und nicht von Autodieben oder Billiglohnkräften handelt.

MEIER Wie reagieren die Polen auf Ihre Show?

Hagemann Es hat sich herumgesprochen, dass wir eine lustige deutschpolnische Polka-Show machen – und keine Show, die auf alten Polenwitzen rumreitet. Wir haben einen polnischen Fanklub und auf Konzerten mittlerweile zehn bis zwanzig Prozent polnische Zuschauer, die mit Polska-T-Shirts und Wimpeln und Mützen kommen. Das ist das Beste, was passieren konnte.

MEIER Kommt es vor, dass Leute nicht diesen Humor haben und die Show falsch verstehen?

Hagemann Sehr selten. Das war am Anfang noch so. Vor ein paar Jahren, als wir zum ersten Mal damit rauskamen, gab es einige Leute, die erwarteten das übliche Polen-Bashing, und die mussten erst überzeugt werden. Aber seit einigen Jahren bekommen wir kaum noch negative Reaktionen von Polen. Im Gegenteil. Die können mehr über sich lachen als man ihnen gemeinhin unterstellt.

MEIER Es gibt bei den Popolskis immer viele „Enthullungen“. Was „enthullen“ Sie diesmal?

Hagemann Wir präsentieren den Sohn von Elvis, den Elvis mit einer polnischen Stewardess – einer entfernten Verwandten der Familie – gezeugt hat: Elvek Popolski. Er ist 2,10 Meter groß und auf der Bühne noch besser als sein Vater. Wir präsentieren auch missverstandene Lieder, Schätze der Popmusik, wie zum Beispiel das traurigste Stimmungslied aller Zeiten, bekannt unter dem Titel „Ein bisschen Spaß muss sein“. Wir spielen das Original und erzählen und beweisen, warum dieses Lied eigentlich ein ganz trauriges Lied ist.

MEIER Gibt es auch Neuigkeiten von Ihrer Cousine Dorota Popolski?

Hagemann Klar, Dorota ist nach wie vor auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Wir enthüllen ihre Affären mit Johnny Depp, Lothar Matthäus und Karl-Theodor zu Guttenberg.

MEIER Bei den Popolskis sind Sie Schlagzeuger und das „Familienoberhaupt“. Wie viel von Pavel Popolski steckt in Achim Hagemann?

Hagemann Nicht viel, Pavel hat einen anderen Charakter. Er ist cholerisch, ein Despot, ich bin im wirklichen Leben viel harmoniesüchtiger als er. Vielleicht sehen das manche anders, aber ich entdecke nicht allzu viele Gemeinsamkeiten.

MEIER Wie oft verwenden Sie den polnischen Slang im Alltag?

Hagemann Regelmäßig. Wenn ich zum Beispiel jemanden auffordern möchte, etwas schneller zu machen, sage ich: Chipko, chipko! Das heißt dann: schneller! Das ist mittlerweile innerhalb der Band in den normalen Sprachgebrauch übergegangen. Es ist natürlich oft kein richtiges Polnisch, eher eine Mischform.

MEIER Kommt es eigentlich auch zu Verwechslungen? Halten einige Konzertbesucher die Popolskis manchmal für „echt“?

Hagemann Das passiert immer mal wieder. Wir hören oft von Leuten, die ihren Freunden vorher nicht erzählen, dass es ein Comedy-Programm ist. Sie schicken sie mit der Information in die Show, dass die Geschichte stimmt. Das ist natürlich besonders lustig. Irgendwann merken sie es natürlich, aber wir haben auch schon Leute erlebt, die es bis zur Pause nicht gemerkt haben.

MEIER Wenn Sie nicht mit den Popolskis auf der Bühne stehen, arbeiten als Musiker und Komponist – unter anderem zusammen mit Hape Kerkeling. Sie beide kannten sich schon als Schüler. Wie findet er eigentlich die Popolskis?

Hagemann Er hat schon mehrere Konzerte gesehen. Er kommt gerne zu uns, er hat ja selbst Spaß an Musik. Unsere Show gefällt ihm sehr gut.

MEIER Ist es möglich, dass Kerkeling mal mit den Popolskis auftritt?

Hagemann Darüber haben wir uns tatsächlich Gedanken gemacht. Wir haben auch schon eine Idee, aber ich kann noch nichts Näheres dazu sagen.

MEIER Hape Kerkeling hat es bekanntlich abgelehnt, die Moderation von „Wetten, dass ...?“ zu übernehmen. Eine gute Entscheidung?

Hagemann Ja. Die Show hätte ihn in ein Korsett gezwängt. Das muss nicht sein. Ich habe ihm auch abgeraten, weil ich denke: Er ist in einer Position, in der er mit sehr viel Freiheit selbst entscheiden kann, wann, wie oft und in welchem Rahmen er im Fernsehen auftritt. Diese Freiheit hat er aber nicht mehr, wenn er so ein Flaggschiff übernimmt. Egal, ob man es ändert oder nicht. Deshalb war es gut, dass er abgesagt hat.

MEIER Würden Sie „Wetten, dass ...?“ moderieren? Als Pavel Popolski? „Wetten, dass ...?“ mit Wodka – statt mit Gummibärchen wie bei Thomas Gottschalk: Wäre das nichts?

Hagemann Keine schlechte Idee, aber: Nein, ich würde es nicht machen ... Was die meisten vielleicht nicht wissen: Die Show ist aus Polen geklaut. Sie wurde schon in den 1950er Jahren im polnischen Fernsehen als Riesenquotenhit gefeiert. Im polnischen Original heißt die Sendung übrigens „Wetten, der klappt!“.

Interview: Dimitri Taube (MEIER 3/2012)

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