Erinnerungsroman von Lisa-Maria Seydlitz

Juno erhält einen anonymen Brief mit einem beiliegenden Polaroidfoto von einem Ferienhaus in der Bretagne. Es sei ihr Erbe und Zeit, dass sie endlich komme. Geheimnisvoll schwingt die Suche nach dem Briefschreiber und nach der Identität der jungen Studentin Julie mit, die schon in dem Haus an der französischen Atlantikküste wohnt. Ein weiteres Geheimnis ist die Geschichte von Junos Vater, der krank war und starb, als sie noch jung war.

Eher wie Polaroidbilder oder Sequenzen aus einem Super-Acht-Film webt die junge Mannheimer Auorin Lisa-Maria Seydlitz die Erinnerungen in die Geschichte ein. Leicht verblichen zuweilen, manches versteht man erst viel später. Die Sprache ist weich, wirkt an manchen Stellen wie leicht verwischte und vergilbte Fotografien aus den 1980er Jahren. Direkte Rede kommt selten vor. Die Ich-Erzählerin Juno bleibt etwas undurchsichtig und blass. Viel stärker werden manche Nebenpersonen gezeichnet.
Einen tiefen Einblick erhält man in die Psyche der Mutter, die den Tod des Vaters durch Verdrängung überwindet, alle seine Sachen weggibt und aus dem gemeinsamen Haus auszieht. Schnell sucht sie eine neue Beziehung und wird wieder schwanger. Und wieder konzentriert sich Lisa-Maria Seydlitz mehr auf den Rückblick als auf das Geschehen. Das ist für Juno derart mit ihrer Vergangenheit verknüpft, dass die Geschichte um das Fischerhaus in der Bretagne manchmal in den Hintergrund gerät. Die Reise nach Frankreich ermöglicht ihr einen neuen Blick auf ihr bisheriges Leben, für den Leser bleiben allerdings einige Fragen offen.
[Cathérine Börschinger]

* Lisa-Maria Seydlitz: Sommertöchter. Dumont Verlag. 208 Seiten. € 18.90

 

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