Onkel Luigis Patenkind im MEIER-Interview

Italiener weinen oft und gerne, fast zu jedem Anlass. Sagt zumindest Roberto Capitoni. Im April war der deutsch-italienische Comedian in Mannheim und präsentierte sein Programm „Italiener weinen nicht!“. Im Interview verrät der 49-Jährige, wie sein Onkel reagiert, wenn man ihm widerspricht, warum Fußball und Comedy nicht wirklich zusammenpassen und was Silvio Berlusconi und Kurt Beck gemeinsam haben.

MEIER Das aktuelle Programm heißt „Italiener weinen nicht!“ – außer bei ganz vielen Sachen ...

Roberto Capitoni Genau. Wenn zum Beispiel die Spaghetti schlecht sind. Oder wenn sie beim Fußball verlieren. Sogar, wenn die Kinder eingeschult werden. Wobei sie da natürlich vor Freude weinen. „Italiener weinen nicht!“ ist eigentlich ironisch gemeint. Viele Italiener sind sehr emotional.

MEIER Sie auch?

Capitoni Klar. Ich sage immer: Ich bin nicht nah am Wasser gebaut, sondern im Wasser. Mein Patenonkel Luigi ist da ganz anders. Er versucht immer, mir das Weinen zu verbieten. Er will natürlich, dass ich wie ein richtiger Mann dastehe, nicht wie eine Memme.

MEIER Sie erzählen auf der Bühne gerne schöne Geschichten über Ihren Onkel Luigi. Was ist das prägendste Erlebnis?

Capitoni Ich bin mit ihm mal nach Palermo gefahren. In einem Fiat 500. Wir mussten eine riesengroße Kiste abliefern ... Diese Reise hat mich sehr geprägt. Überhaupt ist mein Onkel allgegenwärtig. Wenn man ihm widerspricht, reagiert er auf seine Weise: Er macht dir Betonschuhe. Und dann geht er mit dir schwimmen. Aber Vorsicht, meistens kommt er alleine zurück.

MEIER Sie sprechen nicht nur gerne über Ihren Onkel, sondern auch über Fußball. Sie sind sogar jahrelang in einem italienischen Fußballtrikot aufgetreten. Kam gut an, oder?

Capitoni Ja, vor allem nach dem WM-Sieg von Italien 2006 in Deutschland ... Es wäre wohl besser gewesen, wenn einer andere Mannschaft die Deutschen aus dem Turnier gekickt hätte. So bekam ich zwar keinen großen Ärger, aber ich muss sagen: Es gab einige durchaus leidenschaftliche Kommentare.

MEIER Fußballfans und Ironie – passt das zusammen?

Capitoni Es gibt sicherlich viele Fußballfans, die Ironie verstehen und Humor haben. Aber grundsätzlich ist das ein schwieriges Thema, Fußball und Comedy. Die meisten sind da doch etwas angespannt. Ich kenne es ja auch von mir: Sobald es die eigene Mannschaft betrifft, will man nicht unbedingt dumme Sprüche hören.

MEIER Sie kommen gebürtig aus dem Allgäu, leben heute in Koblenz. Welche Verbindung haben Sie noch zu Italien?

Capitoni Viele Verwandte leben dort. Ich war in den vergangenen Jahren einige Male zu Besuch. Leider nicht so oft, wie ich es gerne hätte. Italien ist nicht unbedingt um die Ecke, man kann nicht einfach so mal schnell runterfahren. Aber deshalb bin ich froh, dass ich wenigstens auf der Bühne etwas über Italien erzählen kann.

MEIER Ist Berlusconi eigentlich immer noch ein gutes Bühnen-Thema? Oder sind alle Witze schon gemacht?

CapitoniCapitoni Nee, da geht noch was. Ich glaube, er ist auch noch in zehn Jahren ein gutes Bühnen-Thema. Das läuft bei ihm wie bei Strauß oder Kohl. Über die werden auch immer mal wieder noch Witze gemacht, jedenfalls dann, wenn den Kabarettisten nichts Anderes mehr einfällt. Ich denke, auch Berlusconi ist so eine prägende Figur.

MEIER Ihr Berlusconi-Lieblingswitz?

Capitoni Ich habe einen, einen Spruch von Onkel Luigi. Ich weiß aber nicht, ob man den abdrucken kann.

MEIER Worum geht es?

Capitoni Um Kultur.

MEIER Na dann, kein Problem.

Capitoni Mein Onkel sagt: „Roberto, komm nach Italien, da gibt es viel Kultur, und vielleicht wirst du ein neuer Michelangelo, ein neuer Leonardo da Vinci oder sogar ein neuer Silvio Berlusconi.“ Ich sage: „Nee, Onkel, Berlusconi will ich nicht werden.“ Dann wieder er: „Wieso? Er hat doch auch viel für die Kultur gemacht.“ Und ich: „Was? Kultur und Berlusconi?“ Mein Onkel: „Ja, Bunga Bunga.“ Wieder ich: „Ja klar, Bunga Bunga.“ Und dann sagt mein Onkel: „Roberto, seit Bunga Bunga hat in Italien der Satz ,Ich bin von der Regierung gefickt worden‘ eine ganz andere Bedeutung.“

MEIER Eigentlich wollte ich abschließend noch fragen, wie viel von Berlusconi in Kurt Beck steckt. Aber das lassen wir dann mal ...

Capitoni Beck und Erotik und Sex – das ist, glaube ich, ... Nee, stimmt, lassen wir das lieber. Obwohl, eine Gemeinsamkeit fällt mir dann doch ein: Beide interessieren sich für Bälle. Jedenfalls sind beide – nach allem, was ich weiß – begeisterte Fußballfans.

Interview: Dimitri Taube (MEIER 4/2012)

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