Der Pullunder-Kämpfer im MEIER-Exklusivinterview

Foto: Maren Uhlherr

Der Rauten-Pullunder ist sein Markenzeichen. Olaf Schubert – genauer gesagt: die Kunstfigur Olaf Schubert – trägt den Pullunder immer, egal, wie warm es ist. Im September kommt der 43-jährige Kabarettist und Musiker nach Mannheim. Das Programm des „Betroffenheitslyrikers“ heißt „Meine Kämpfe“. Im MEIER-Interview verrät Schubert, was er über Mannheim weiß, warum er den Pullunder überhaupt trägt und ob er sich selbst immer versteht.

Meier: Im September sind Sie in Mannheim. Was wissen Sie eigentlich über Mannheim?

Olaf Schubert: Die Menschen in Mannheim sprechen einen sehr bemerkenswerten Akzent. Und Bülent Ceylan kommt aus Mannheim. Auch Xavier Naidoo. Und natürlich die Söhne Mannheims. Die gibt es wirklich nur in Mannheim, sonst wären es ja die Söhne Bottrops.

Meier: Ihr Programm heißt „Meine Kämpfe“. Sie haben schon oft gesagt, dass der Titel keine Anspielung sein soll auf das Buch „Mein Kampf“ von Hitler. Aber weil ja zuletzt Heiner Geißler ein paar Probleme bekommen hat mit einem Goebbels-Zitat: Hat sich auch jemand über Sie aufgeregt?

Schubert: Bis jetzt hat sich niemand beschwert. Man nimmt mir ja wirklich ab und ich sehe auch so aus, als würde ich viele Kämpfe ausfechten – und nicht nur einen. Insofern kommt es da zu keinen Missverständnissen.

Meier: Auf der Bühne sprechen Sie oft über Probleme. Welche beschäftigen Sie derzeit am meisten?

Schubert: Es ist momentan eine bewegte Zeit, mit großen Debatten und großen Veränderungen in politischer Hinsicht. Das Geld stürzt ab, dafür schnellen die Benzinpreise nach oben. Aber im Wesentlichen sind es immer die gleichen Probleme. Die zyklischen Krisen der Gesellschaft, die wirtschaftlichen Probleme und die privaten Probleme. Das fasse ich auf der Bühne ganz groß und komplex zusammen und sage dann: Mensch, ist doch alles Mist.

Meier: Sie sagen immer, dass Sie sich nicht nur mit den großen Problemen beschäftigen, sondern auch mit den kleinen und mittleren. Was meinen Sie damit?

Schubert: Die Probleme des Alltags. Das kann daheim sein, mit einer Frau, die zufällig mit in der Wohnung lebt. Oder auf der Arbeit, mit einem Kollegen. Das kann auch ein Strumpf sein, in dem ein Loch ist – oder zwei. Wobei das dann eigentlich schon ein mittleres Problem wäre.

Meier: Sie kommen aus Sachsen, leben in Dresden. Für die ZDF-Heute-Show waren Sie mal in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen, das Thema war „Aufbau Ost/Abbau West“. Gibt es noch große Unterschiede zwischen Ost und West?

Schubert: Nein, ich habe festgestellt: Es gibt oft größere Unterschiede zwischen Nord und Süd, Oben und Unten, Arm und Reich und Dick und Dünn. Oder Dick und Doof, je nachdem.

Meier: Sie sind seit Jahren in Deutschland unterwegs. Was fällt Ihnen auf – abgesehen von den Unterschieden zwischen Dick und Doof?

Schubert: Ich bin überrascht, dass die meisten Klischees nicht stimmen. Leider. Man denkt, in Bayern bekommt man erstmal drei Kilo Fleisch und fünf Liter Bier und ein dicker bärtiger Mann grölt einen auf Bayerisch voll – und im Norden kriegt keiner den Mund auf. So ist es nicht. Das schöne Klischee stimmt nicht mehr. Oder hat noch nie gestimmt. Eigentlich schade.

Meier: Ihr Markenzeichen ist der gelb-schwarz-grüne Rauten-Pullunder. Schon mal dran gedacht, ihn wegzulassen?

Schubert: Der Pullunder erfüllt mehrere Aufgaben. Erstens: Er sieht sehr gut aus. Zweitens: Er hält mich warm. Und drittens: Er fühlt sich angenehm an. Deshalb sehe ich jetzt keine obligaten Gründe, diese schicke Obertrikotage vom Habitus zu streifen. Da muss es schon sehr warm werden.

Meier: Gibt es den Pullunder als Merchandising-Artikel?

Schubert: Er wird gelegentlich nachfragt. Aber die Nachfrage kann höchstens mit Nachstricken befriedigt werden, da er im Einzelhandel in dieser Farbkonstellation nicht mehr erhältlich ist. Deshalb muss da auch immer meine Großmutter ran.

Meier: Sie spielen sehr wirkungsvoll mit Sprache, haben einen besonderen Wortschatz und benutzen gerne Fremdwörter. Wie kommt das?

Schubert: Ich habe ja Wichtiges zu sagen. Ich versuche deshalb, mich möglichst genau auszudrücken. Das erfordert präzise Formulierungen, damit man nicht hinterher sagen kann: Das hab‘ ich jetzt aber nicht verstanden.

Meier: Und? Verstehen alle, was Sie meinen?

Schubert: Glaub‘ ich nicht. Ich verstehe ja auch nicht alles.

Meier: Was machen Sie dann?

Schubert: Ich frage dann bei mir selbst nochmal nach. Wenn ich gut gelaunt bin, gebe ich mir eine Antwort. Und wenn nicht, schlaf‘ ich ein.

Interview: Dimitri Taube (MEIER 9/2011)

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