Ein 14 Meter langer Teller, ein 16 Meter langer Zander neben 28 Kilo Kartoffelsalat.

„Keine fünf Minuten von der WSV Gaststätte liegt das Baggerhäusel, ebenso direkt am Weiher, mit Premiumklasse-A-Klientel: braungebrannte, tätowierte Tussis und Hefe trinkende Großhundbesitzer.“ Wir haben es im Juli versprochen: jetzt also das Baggerhäusel.

Es ist ein milder Sommerabend, fast schon ein wenig kühl – im Baggerhäusel ist das kein Argument für ein T-Shirt. Die oberkörperfreie Männerquote liegt bei rund 25 Prozent. Besitzer Erich, ein massiver Typ, trägt aber Shirt und steht am Grill neben der Essensluke, wo  ein nicht weniger massiver Mann zwischen Fritteuse und Pfanne rotiert. Außer dem Baggerhäusel betreibt Erich noch das „Power House“, ein Fitnessstudio. Mit knallrotem Kopf blinzelt er uns durch die bunten Gläser seiner viel zu kleinen Sonnenbrille an. „Schon bestellt?“, fragt er. „Nee, wir hätten gerne den  Zander (€ 13.80) und den Fitness-Salat (€ 7.50).“ Erich schreibt‘s für seinen Koch auf, der gerade stressbedingt nicht ansprechbar scheint. „Nummer 95, ich ruf euch aus.“ Wir gehen weiter zur Getränkeausgabe. „Ein alkoholfreies Pils und eine Apfelschorle, bitte.“ Der Barmann guckt betroffen, sagt ganz leise und langsam „okaaaaay“ – und holt die Drinks. Macht € 5.–. Danke. Bitte. Tschüss. Wir laufen vorbei an einem ältlichen Ehepaar, das schweigend gleichzeitig speist und raucht, vorbei an zwei bellenden Hunden, vorbei an einer riesigen Toilettenanlage, vorbei an zwei Oben-ohne-Weizentrinkern, vorbei an einer lustigen kroatischen Großfamilie und setzen uns. Vom Seeufer trennt uns nur noch ein Gatter, das geschlossen bleiben muss – wegen der Hunde (die draußen dürfen nicht rein, die drinnen dürfen nicht raus). 

„Fümunneunzich, fümunneunzich“, krächzt ein Lautsprecher. Das Baggerhäusel ist so lang, wenn man einmal bis nach hinten durchläuft, ist das Essen fertig und man kann zurücklaufen, um es abzuholen. Also wieder zurück, vorbei an der lustigen kroatischen Großfamilie, den Oben-Ohne-Boys, die gerade ihre geplante Investition in ein neues Weizen diskutieren („Jetzt geh‘ ich mal aufs Klo und dann besprechen wir alles weitere.“), vorbei an der Toilettenanlage, vorbei an den kläffenden Hunden, vorbei an dem ältlichen Ehepaar, das jetzt nur noch schweigend raucht. Auf einem gefühlt 14 Meter langen Teller liegt ein gefühlt 16 Meter langer Zander neben  gefühlt 28 Kilo Kartoffelsalat. Der pittoreske Fitness-Salat geht neben dem Monsterfisch etwas unter. Wir essen. Der Zander ist ordnungsgemäß Off-Gastroesque zupaniert. Ordentlich Remoulade mit auf die Gabel und Kate Moss‘ Wochenkalorienzufuhr ist erreicht. Apropos Kate: Ein Körperdouble läuft grade an uns vorbei. Auf gefühlt 13 Meter hohen Absätzen. Wir haben unser Herz am Willersinnweiher verloren. 

Text & Foto: Sebastian Riemer, MEIER 08/2011

Baggerhäusel, Bremmenweg 3, Ludwigshafen
www.baggerhaeusel.de 

 

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