Der Comedian im MEIER-Exklusvinterview

Foto: Peter Schaffrath

„Ich war der Provokateur. Es hieß immer: Da kommt der Typ mit dem F-Wort“, sagt Ingo Appelt. Doch offenbar gilt nun: Ficken war gestern. „Geläuterter Comedy-Rüpel“ – so bezeichnet sich der 44-Jährige heute. Im Oktober präsentierte er in Worms und Germersheim sein neues Programm „Frauen sind Göttinnen“. Im MEIER-Interview spricht Appelt über Autogrammschlangen, Schweinejungs-Humor und Image-Probleme.

Meier Das Programm heißt „Frauen sind Göttinnen“. Wie reagieren die Frauen darauf?

Ingo Appelt Sie sind begeistert. Frauen wollen hören, dass sie göttlich sind. Und seitdem ich das ihnen auf der Bühne erkläre, ist die Autogrammschlange nach einer Vorstellung zehnmal so lang. Und das ist es doch, worauf es ankommt.

Meier Sie sagen nicht nur, dass Frauen Göttinnen sind, sondern auch: „Betet die Frauen an, baut ihnen Denkmäler – und sagt zu allem nur noch ja! Und Amen.“ Meinen Sie wirklich alle Frauen? Auch Angela Merkel? Und Daniela Katzenberger?

Appelt Ich meine eigentlich keine spezielle Frau, sondern die Frau an sich. Aber klar, Daniela Katzenberger ist natürlich auch dabei. Und Angela Merkel ebenfalls. Ich sage es mal so: Wenn wir bei Merkel anfangen, sie als Göttin zu bezeichnen, fällt es uns dann beim Rest nicht mehr so schwer.

Meier Wären Sie selbst gerne eine Frau?

Appelt Nee, dann könnte ich nicht mehr das machen, was ich gerne mache. Ich bin mit meiner Männlichkeit zufrieden. Und als Frau ist es ja auch anstrengend. Allein dieses Menstruieren ... Wäre mir sehr unangenehm.

Meier Gibt es etwas, das Frauen noch nicht können?

Appelt Frauen können grundsätzlich alles, außer an sich zu glauben. Es gibt Frauen, die glauben an jeden Dreck, nur nicht an sich selbst. Vor allem, wenn es um Esoterik geht, glauben sie alles. Unfassbar. Meistens sind es Männer, die als Scharlatane den Frauen irgendwas andrehen.

Meier Was sollten die Frauen machen?

Appelt Sie sollten sich nicht so verarschen lassen. Aber Frauen kaufen ja alles. Deswegen kommt es immer auf die Frauen an. Sie entscheiden zum Beispiel auch, wer den Buchmarkt beherrscht. Oder den Musikmarkt.

Meier Wie wichtig sind Frauen für die Comedy?

Appelt Sehr wichtig. Comedy-Veranstaltungen besuchen fast ausschließlich Pärchen. Aber die Frau bestimmt, welche Veranstaltung besucht wird. Und wenn sie zu ihrem Mann sagt „Zum Appelt gehen wir nicht, der sagt immer Ficken auf der Bühne“, dann habe ich ein Problem. Das war jedenfalls früher so.

Meier In der Zeit, als die Autogrammschlangen noch etwas kürzer waren?

Appelt Ja. In der Schweiz hat man mir vor ein paar Jahren gesagt, dass mich 80 Prozent der Frauen inhaltlich ablehnen. Da habe ich gemerkt: Ich habe ein Image-Problem. Ich war der Provokateur. Es hieß immer: Da kommt der Typ mit dem F-Wort. Das war so die Richtung Schweinejungs-Humor. Ich habe versucht, in jedem Satz irgendeine Sauerei unterzubringen, von Nummer zu Nummer härter zu werden und gegen alle zu schießen.

Meier Und heute sind Sie ein „geläuterter Comedy-Rüpel“, wie es in der Ankündigung des aktuellen Programms heißt?

Appelt Genau. Ich muss nicht mehr in jedem Satz eine Sauerei unterbringen. Und ich muss auch nicht gegen alle schießen. Ich habe mich dazu entschlossen, nur noch auf Männern herumzuhacken.

Meier Mit dem Thema „Frauen/Männer“ beschäftigen Sie sich schon seit vielen Jahren. Wird es nicht so langsam langweilig?

Appelt Auf keinen Fall. Früher habe ich auch gedacht, irgendwann ist das Thema für die Comedy durch. Aber es geht immer weiter. Es gibt noch viele Dinge, über die man sich unterhalten kann.

Meier Zum Beispiel?

Appelt Was machen Männer, wenn sie unter sich sind?

Meier Was?

Appelt Sie versuchen, sich gegenseitig zu beeindrucken. Sie machen irgendeinen Scheiß. Sie rülpsen und furzen, kämpfen und schreien herum, schmeißen Steine auf die Straße und zünden Autos an. Für eine Zivilgesellschaft ist das eine Katastrophe – aber für Männer ist das Spaß.

Meier Und wer einer Frau gefallen will, ...

Appelt ... zündet kein Auto an, sondern eine Kerze. Oder er kocht was Leckeres zu essen.

Meier Und wie funktioniert es in der Comedy?

Appelt Im Grunde so ähnlich. Wenn man auf der Bühne steht und den Frauen gefallen will, schreibt man ein nettes Buch und macht anständige Witze. Oder man schreibt ein Programm und nennt es „Frauen sind Göttinnen“. Und wenn man nur den Männern gefallen will, stellt man sich auf die Bühne und schreit „Ficken!“.

Interview: Dimitri Taube

Kommentieren

Meine Informationen merken

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


Kann ich nicht lesen, neues Bild bitte.


Kommentare werden umgehend geprüft und erst dann freigeschaltet.

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Teilen |