Heidelberg
Dort, wo sich schon vor zwanzig Jahren die Nachtschwärmer auf ein letztes Bier in der Altstadt trafen, hat Mustapha Abassi – jenseits von Mainstreet und Mainstream – das in der Heidelberger Altstadt so selten gewordene Pflänzchen des ungezwungenen Beisammenseins wieder zum Blühen gebracht. Das bedeutet: Man muss nicht vorab mit Spiegel und Kleiderschrank kämpfen und die Barschaft im Portemonnaie darf übersichtlich sein, um hier einen angeregten Abend zu verbringen. Musikinteressierte, Theaterleute, Paare, Einzelgänger, Junge und Alte kommen über die Barhocker hinweg leicht ins Gespräch. Stühle werden vor die improvisierte Bühne gerückt. Hier nimmt gleich eine kundige Fangemeinde Platz, um Billy Goodman und seinen Eleven zu lauschen. Der amerikanische Slidegitarrist, Sänger und Songwriter tritt mittwochs ab 21 Uhr auf, am „Jazzy Thursday“ spielen Ensembles aus dem Delta auf. Der Eintritt ist frei!
Im neuen „Prinz Friedrich“ kocht der Chef selbst – und ausgezeichnet. Mustapha Abassi verschwindet für eine halbe Stunde in der Küche, um dann mit üppig bemessenen Nudel-Variationen (ab € 5.50) wieder zu erscheinen. Auf formschönem Geschirr serviert duften die Spaghetti Madagascar herrlich nach Vanille. Die Spaghetti alla Siciliana mit Auberginen und knackig angebratenem Gemüse sind wunderbar feurig-scharf abgeschmeckt (beide je € 6.50). Der kleine Salat ist größer als erwartet (€ 3.50). Dazu passt ein fruchtiger Grauburgunder (€ 4.20) oder ein Dachsenfranz-Bier. Die Fassade des Hauses in der Kettengasse 9 wirkt nicht eben einladend, keine Außenbestuhlung, aus Lärmschutzgründen geschlossene Fenster. So wird das „PF“ auch in Zukunft ein echter Geheimtipp bleiben.
(MEIER 9/2011 – Ute Hansen, Foto: Dietrich Bechtel)
Prinz Friedrich, Kettengasse 9, Heidelberg-Altstadt, prinz-friedrich-hd.de, Mo bis Do & So 18 – 2, Fr & Sa 18 – 3 Uhr




