Ludwigshafen

Was reizte die Betreiber von zwei Kultlokalen auf den Mannheimer Kapuzinerplanken zum Sprung über den Rhein nach Ludwigshafen? „Es war das Ambiente und die Tradition des Hauses, dazu die traumhafte Lage“, sagt Sebastian Perez, Betriebsleiter im Binokel und bis vor kurzem im Meier‘s, das nach Pächterwechsel Mitte September geschlossen hat. Bereits seit Mitte Juni leitet Perez auch das gastronomische Tagesgeschäft in der Inselbastei am nördlichen Ende der Ludwigshafener Parkinsel. Mehr als 30 Gastronomen hatten sich bei Besitzer Kurt Nies um die Übernahme des Objekts beworben. Den Zuschlag erhielten Perez und die Mannheimer Global Gastro GmbH, um die Inselbastei kulinarisch und baulich komplett umzukrempeln. Erklärtes Ziel: „Die Inselbastei für ein breites Publikum, vom Arbeiter bis zum BASF-Vorstand, attraktiv machen, und auch Gäste ansprechen, die nur auf ein, zwei Getränke kommen möchten“, so Perez.

Das Ambiente hat sich verändert seit dem Umbau im Bistro-Chic, mit Böden in dunklem Holz, mit geschwungenem, aber schlichtem Mobiliar in Cognac-Tönen und sandfarbenen Polsterbänken auf der zweiten, leicht erhöhten Ebene im hinteren Teil des Restaurants. Große Spiegel strecken den Raum, für beste Lichtstimmung sorgen kreisförmige Deckenlampen in Chiffonoptik und hinterleuchtete Blatt- und Blumenmuster an den Wänden. Wer Glück hat und einen goldenen Oktoberabend erwischt, dürfte sich aber auch auf der Terrasse wohlfühlen. Denn Perez und Co. haben die ehemals ausladende Zeltlandschaft zurückgebaut, der Ausblick über die Uferpromenade, den grün und träge flutenden Rhein, hinüber zum Mannheimer Lindenhof mit Victoria-Turm und Johanniskirche, ist jetzt frei.

Die Weißherbstschorle (0,2 l € 2.–) ist erfrischend herb; für die Auswahl des Weines verweist die Bedienung freundlich auf die Karte, auf der jeder der gut 15 offenen und an die zehn Flaschenweine ausführlich vorgestellt wird. Die Wahl fällt auf einen Wachenheimer Riesling trocken von Bürklin-Wolf (0,2 l € 6.50) und damit auf einen der teureren Weine in einem Angebot, das ein breites Preisspektrum und überwiegend Pfälzer Gewächse umfasst. Mit Pfirsich- und leichten Zitrusnoten und schönem Schmelz passt der Riesling dann auch bestens zur Soupe Crécy (€ 4.20), einer Karottencremesuppe mit Schinkenstreifen, in der das Gemüse, dank sparsamem Einsatz von Gewürzen, schön zur Geltung kommt. Genauso lecker schmeckt die große Portion des als „klein“ ankündigten Marktsalats(€ 6.90) mit einer Himbeer-Vinaigrette und drei zart gerösteten Crostini, die den warmen Tomatenwürfeln erlauben, sich herrlich einzusaugen.

Die monatlich wechselnde Speisekarte in vier Sprachen spiegelt das weit gefächerte kulinarische Angebot der Inselbastei wider: Risotto- und Pastavarianten tragen ihre original italienischen Namen, Gerichte aus der Elsässer Küchenrichtung werden auf Französisch präsentiert. Unter „Deftiges“ spricht die Karte zumeist Pfälzisch, bei anderer oder nicht zweifelsfrei zu verortender Herkunft Hochdeutsch. Die Pfälzer Schales (€ 8.70), Kartoffelpuffer mit Speck und Zwiebeln, sind schön kross gebraten, das Apfelmus ist frisch und stückig zubereitet. Beim „Entrecôte grillée Strindbergh avec Gratin dauphinois“ (€ 16.90) überzeugt das auf den Punkt gegarte Steak, weniger aber dessen Zwiebel-Senf-Kruste, die den Eindruck macht, erst nachträglich auf dem Fleisch platziert worden zu sein. Versöhnlich stimmen die wunderbar abgestimmte Soße und der Gratin dauphinois. Entpuppt er sich doch – wie in der Speisekarte auf Deutsch erklärt, ob des glamourösen Namens nochmal im Wörterbuch nachgeschlagen und tatsächlich geschmeckt – als klassisch-guter Kartoffelgratin. Zum Schluss gibt‘s noch einen Mojito (€ 6.50), der Blick auf die vorbeiwandernden Tabletts verführt. Denn seit der Dämmerung drängen sich nicht mehr Familien, sondern Twens bis Mittvierziger auf dem Balkon am Rhein, um bei Wein und Cocktails zu chillen. Und das sollte in der Inselbastei kein Problem sein – wenn auch die anderen Drinks der Karte so lecker schmecken wie der kubanische Klassiker, der nicht mit Rum kleckert und die Zunge mit viel frischer Minze kitzelt.

(MEIER 10/11 – Tobias Kleinecke, Fotos: Inselbastei)

 
Inselbastei, Parkstr. 70, Ludwigshafen, 0621 5889507, myinselbastei.de, Mo bis Fr 11.30 – 24, Sa 15 – 24, So 11.30 – 23 Uhr

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