Heidelberg

Mit einem Ass im Ärmel hat sich das sechste Glied der holländischen Kette Chocolate Company in Heidelberg niedergelassen. Das Ass heißt „Chocspoon“, ein großer Würfel Valrhona-Schokolade an einem Holzlöffel, der nach wenigen Minuten und einigem Rühren aus heißer Milch heißen Kakao macht. Bereits 2004 ist man im Mutterladen in Aachen auf diese Idee gekommen. Lange Jahre des Experimentierens und Forschens haben unzählige Sorten Trinkschokolade, Pralinen, Tafelschokolade, Brotaufstriche, Mini Mendiants (kleine Schokoladentaler) und Schokoladenfondue hervorgebracht, die seit 2009 in der Schokoladenfabrik im holländischen Kerkrade in Handarbeit hergestellt und verpackt werden.

Damit die Schokoladenwürfel erst in der Tasse und nicht schon in der Verpackung zerfließen, gibt sich der neue Laden in der Heidelberger Hauptstraße eher kühl – was allein die Raumtemperatur, nicht aber die Atmosphäre angeht. Farbtöne von Vollmilch- bis Bitterschokoladenbraun sowie rustikale Holzmöbel und -verkleidungen beugen jedem Frösteln vor. Blumenschmuck, wie er nur selten in Cafés zu bewundern ist, große Bilder und dezente Hintergrundmusik entspannen schon vor der ersten Tasse heißen Kakaos. Für die muss man sich aber erst einmal etwas anstrengen, wie die freundliche, aber etwas unsicher wirkende Bedienung und ich lachend bemerken. Denn es grenzt schon fast an Arbeit, sich für eine der 75 Sorten Schokolade (€ 3.50, mit Alkohol € 3.90) zu entscheiden. Danach heißt es noch kräftig umrühren – erst recht, wenn sich der Schokoladenwürfel in nur warmer, nicht heißer Milch nur sehr langsam auflösen will. Die Bedienung bemerkt den Fehler und bietet an, die Trinkschokolade kurzum noch einmal auf die richtige „Einrührtemperatur“ zu bringen.

Wer auf heiße Schokolade mit Schuss Likör schwört, kann sich zum Beispiel Grand Marnier aus einer am Löffel befestigten Pipette in die Tasse träufeln, während der Schokoladenwürfel schmilzt. Das geht auch ohne einen Doktortitel in Chemie,erfordert aber schon ein wenig Geschick. Zudem ist die verabreichte Menge für den alkoholischen Aromenkick so gering, dass die heiße Schokolade auch gefahrlos vor dem Autofahren genossen werden könnte. Die heiße Schokolade mit der vollen Dosis Kakao (85 Prozent Kakaoanteil) ist wohl nur etwas für Fans, da sie jeglicher Süße entbehrt. Aber so soll es ja auch sein. Dazu gibt es einen Brownie (Einzelpreis € 3.50) für zusammen nur € 5.–. Wirklich lang kann die Fahrt aus Kerkrade nicht gewesen sein, denn der Brownie ist außen knusprig und innen fast flüssig. Anders als viele seiner Artgenossen ist er keine feste Schokomasse, sondern wunderbar fluffig.

Weniger überzeugen kann das herzförmige französische Feingebäck mit einem Makronenboden, bayerischem Mohn und einer Erdbeercreme, das als einziges Produkt nicht aus dem eigenen Haus, sondern aus der Patisserie von Thierry Mulhaupt kommt. Es sieht trotzdem nicht wie handgemacht aus und schmeckt auch nicht danach. Der unaufdringliche Geschmack der verschiedenen Pralinen (4 für € 3.–) hingegen zeugt von deren nicht-industrieller Herstellung in der Schokoladenmanufaktur in Holland. Das Chocspread Special (€ 4.–) ist etwas ungewöhnlich: Zu einem eher kleinen Cappuccino (einzeln € 3.–) wird ein Schälchen mit etwa zwei Esslöffeln Schokoladenaufstrich nach Wahl serviert, der sich herrlich im Cappuccino schmelzen lässt.

(MEIER 9/2011 – Text: Michaela Reisdorf / Fotos: Dietrich Bechtel)

Chocolate Company Heidelberg, Hauptstr. 179, Heidelberg, chocolatecompany.nl/de/heidelberg, Mo bis Sa 10 – 18.30 Uhr

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