Das Weilheimer Allstar-Projekt erzählte vor Jahren einmal aufregend von Indie-Jungs, die sich auch für Jazz, Dub und Elektronika interessieren, aber ahnen, dass sie dem, was auf diesen Gebieten bereits gesagt wurde, nichts Originäres mehr hinzufügen könnten. Außer ihrem Fantum! Aus diesem Ansatz erwuchs nichts Epigonales, sondern tatsächlich ein erfrischender Sound, der für leider nur sehr kurze Zeit dem modernen Jazz eine Tür ins Indie-Land öffnete. Diese Tür ist seit Jahren wieder zu, doch Tied & Tickled Trio machen weiter. Diesmal haben sie - über die Johannes-Enders-Connection - die Schlagzeug-Legende Billy Hart an Bord geholt. Der hat einst an der Seite von Herbie Hancock einige kaum gealterte Science-Fusion-Alben wie „Crossings“ eingespielt und ist auf weiteren hundert Alben zu hören. „Le Place Demon“ ist ein äußerst anregendes Klangbad, aber gemeinsam mit Enders am Saxophon rückt Hart das Ensemble weit ins Feld von Jazz ohne Anführungszeichen. Was nichts Schlimmes ist, aber den mit Scheuklappen gesegneten Pop-Markt kaum noch touchieren dürfte.
(MorrMusic/Indigo) UK (5/2011)




