Langsam werden Ja, Panik unheimlich. Nach Berlin sind die Wiener Jungs gezogen,  eine WG, doch Sänger Andreas Spechtl singt weiterhin, aber auf sehr charmante Weise mit einer immer leicht blasierten Sprachtönung, die seine Herkunft aus dem Burgenland präsent hält. Zeichneten sich die ersten Konzerte von Ja, Panik vor Jahren noch durch eine unvermittelte Dringlichkeit und Leidenschaft aus, so überrascht Album #3 nicht nur durch den hermetischen Titel, sondern auch durch eine Meisterschaft in Sachen Songwriting und Textbuilding, zu der wirklich nur noch die ganz großen Referenzen passen: Kolossale Jugend, Blumfeld, Gustav, Falco. Man textet nicht auf Englisch und Deutsch, sondern schmeißt beide Sprache kurzerhand zusammen und produziert so ein gigantisches Feld von Zitaten und Anspielungen, die auch nur ansatzweise auszuloten, es einer wiederholten intensiven Auseinandersetzung bedarf. Durch das beiliegende Textblatt wird das intertextuelle Delirium noch einmal verdoppelt. Songtitel wie „Trouble“, „Nevermind“, „Time is on my side“, „Modern life is war“ oder „Mr. Jones & Norma Desmond“ strotzen vor Selbstbewusstsein. Musikalisch ist die Band erstaunlich gereift, kann noch immer Noise, aber auch John Cale, Lou Reed und Bob Dylan hintereinander oder gleich zusammen. Diese Band klingt ungefähr doppelt so reif wie die einzelnen Mitglieder alt sind. Nie altklug, sondern beängstigend klug. (Staatsakt/RTD) UK (5/2011)

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