Robuster Vaterroman von Oliver Adam

Wenn eine Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite mitreißen soll, darf sie auch manchmal hart am Kitsch vorbeischrammen. Denn da liegen ja die großen Gefühle. Und um die geht es im siebten Roman des 37-jährigen Franzosen Oliver Adam. Große Gefühle in einer urlaubsverdächtigen Landschaft. Allerdings verkeilt in den kleinen, miesen, hinterhältigen Alltag.

Es wird Winter, es stürmt, das Urlaubsgefühl hat sich nach Süden verzogen und Paul Anderen bewegt sich im Kreis: Weil seine Frau verschwunden ist und das Geld knapp wurde, ist er mit seinem neunjährigen Sohn und der siebenjährigen Tochter von Paris zurück an die bretonische Küste gezogen. Jetzt dreht er dort im Betrieb seines Bruders als Fahrlehrer seine Runden.

Schon Adams plastische Landschaftsbilder und Winterwetterbeschreibungen machen das Buch lesenswert. Das Wetter ist ein wesentlicher Teil des dramatischen Arrangements: Es wechselt so schnell wie die Stimmungen und Situationen, in die Paul hineinschlittert. Nichts scheint in dem kleinen Städtchen so zu sein, wie es in kleinen bretonischen Küstenstädten sein sollte. Die Schule hilflos autoritär, die Schwägerin hat einen Geliebten, die Fahrschüler sind allesamt Außenseiter und Verlierer und dazu ein undurchsichtiger Polizist, der sich für Paul interessiert.

Adam beherrscht seine erzählerischen Mittel souverän. Aus dem Kontrast von landschaftlicher Schönheit und den Problemen, die der etwas abgerissene, zu Alkohol, undiplomatischem Verhalten und verzweifelter Vaterliebe neigenden Paul anzieht wie ein Magnet, entwickelt die Geschichte eine mitreißende Dynamik.

 

[Frank Barsch]

* Oliver Adam: Gegenwinde. Aus den Französischen von Andrea Springler. Klett-Cotta. 270 Seiten. € 21.95

 

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