... beantwortet den klassischen Fragebogen
Was hören Sie beim Putzen?
Mit dem Staubsauger: vor allem viel Lärm ... Das ist der Grund, warum keine Musik in solchen Momenten Platz hat. Aber sonst höre ich gern, was im Radio kommt: DRS 2, das Schweizerische Klassik-Radio.
Was hören Sie in der Badewanne?
Das Wasser laufen ... Das beruhigt mich, ist ein Entspannungsmittel.
Welchen Komponisten der Musikgeschichte würden Sie bitten, ein Stück für Sie zu schreiben?
Ich denke Beethoven oder Brahms ... aber auch einen meiner Lieblingskomponisten: Franz Schubert!
Vor welchem Werk haben Sie Angst?
Vor Werken, die ich nicht verstehe, für die ich noch nicht die richtige Sprache oder den Schlüssel gefunden habe, um dann neues Leben in diese Musik zu bringen.
Was war Ihr aufregendstes musikalisches Erlebnis – und warum?
Kammermusik zu spielen mit Leuten, die mir neue Türen öffnen - wo ich mich dann ertappe "...ups, warum habe ich das nicht gewusst?" Musiker, die mich überraschen, beim Spielen, beim Proben und im Konzert ... Die immer eine neue Perspektive entdecken in der Musik und genau wie ich auf der Suche sind. Warum? Weil ich nur so meinen Geist ganz lebendig spüre. Im März führe ich ein neues, für mich komponiertes Werk von Michel van der Aa auf, das mit filmischen Elementen verflochten ist. Eine hochinteressante Arbeit dieses großartigen Komponisten! So etwas sind die Neu-Entdeckungen meines musikalischen Lebens.
Mit wem würden Sie am liebsten einmal Musik machen?
Oh, da fallen mir gleich ein paar Musiker ein, zum Beispiel mit Murray Perrahia alle Beethoven-Cello-Sonaten und -Variationen. Oder mit Gil Shaham, der mich immer wieder sehr beeindruckt! Ein richtiger Erzähler ist der, das habe ich selten so erlebt. Oder mit Thomas Quasthoff.
Welche Sorten von Interpreten können Sie nicht ausstehen?
Interpretieren ist eine freie Kunst, jeder interpretiert wie er will und fühlt. Für mich sind die Türen immer offen, um neues kennenzulernen.
Wie würde Ihr ideales Publikum aussehen?
Ein ideales Publikum ist eine Fantasie. Aber dieser Fantasie kann man näherkommen, indem man jeden Abend im Konzert versucht, eine verbindliche musikalische und seelische Brücke zwischen Zuhörer und Interpret zu schlagen.
Was möchten Sie bis in zehn Jahren musikalisch erreicht haben?
Viola da gamba, Arpeggione, Baryton - all diese Instrumente ausprobiert zu haben und auch zu beherrschen. Das würde mich sehr interessieren! Es ist immer besser, auf der Suche zu sein, als alles schon erreicht zu haben!
Sie reisen viel. Was machen Sie fern der Heimat außer Musik am liebsten?
Schlafen, gut essen, spazierengehen, Freunde treffen, die ich manchmal seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe, und natürlich interessante Museen besuchen.
Wo sind Sie am liebsten – und warum?
In der Nähe meiner Familie, weil ich dort meine emotionale Kraft wiederfinde, die die Basis meines Wohlbefindens ist.
Was lesen Sie gerade – und warum?
Harnoncourt: „Musik als Klangrede“
Welche drei CDs haben Sie zuletzt gehört?
Murray Perahia: Beethoven-Sonaten; Giovanni Antonini mit Il Giardino Armonico: Concerti Grossi von Händel; Brahms: Ein deutsches Requiem mit Harnoncourt.
Musik ist nicht alles, oder doch? Was treibt Sie daneben am meisten um?
Musik ist sehr vieles bei mir, aber nicht alles. Als Mensch braucht man einen Ausgleich im Leben, man muss verschiedenste Dinge anschauen und ausprobieren. Dies macht dann das „Ganze“ eines Menschen aus ... und das alles findet sich dann in unserer Musik wieder.
Sol Gabetta ist die gefragteste Celistin unserer Zeit. Geboren wurde sie 1981 als Tochter französisch-russischer Eltern im argentinischen Córdoba. Ihre Hochschulausbildung schloss sie bei David Geringas in Berlin ab. Sie gastiert bei den wichtigsten Orchestern und wurde mit Preisen überschüttet. Inzwischen lebt sie in der Schweiz, hat dort ein Festival gegründet, unterrichtet in Basel und moderiert alternierend mit Martin Grubinger ein Musikmagazin im Bayerischen Fernsehen. Beim Pro-Arte-Konzert am 15. April 2011 mit dem Orchester des Moskauer Bolschoi-Theaters unter Alexander Lazarew spielte sie Lalos Cellokonzert, und bei den Schwetzinger Festspielen war sie am 17. Mai zusammen mit dem Pianisten Bertrand Chamayou zu Gast.
(MEIER 4/2011)




