Fast immer, wenn der elektronische Dancefloor seine Fühler in Richtung Mainstream ausstreckte, war die menschliche Stimme prominent im Spiel. Man erinnere sich nur an „Blind“ von Hercules & Love Affair, an das Kölner Electronika-Projekt Coloma oder an den Elektronik-Soul eines Jamie Lidell. Insofern steht das selbstbetitelte Debüt des 22-jährigen DJs und Produzenten James Blake in einer honorigen Tradition. Seine anrührende Coverversion von Feists „Limit to your Love“ war dabei ein Versprechen auf mehr. Mit James Blake könnte britischer Dubstep sich erstmals aus dem Ghetto der gut informierten Hipster in den Mainstream vortasten - ohne deshalb an Raffinesse zu verlieren. Seit ein paar Jahren genießen die ultratiefen Bässe und die eigentümliche Zeitlichkeit des Dubstep mit den langsamen, zerhackten Beats in der Szene zwar Kult-Status, allerdings können Undergroundstars wie Burial oder Kode9 keine größere Öffentlichkeit erreichen. Mit brüchigem, an große Blue-Eyed-Soul-Traditionen gemahnenden Falsettgesang überführt Blake jetzt die Dubstep-Ästhetik gekonnt ins Reich des Popsongs. (Atlas/Universal) UK (MEIER 3/2011)




