Das schweinische MEIER-Exklusiv-Interview

„Charaktersau sucht Trüffelschwein“ – so heißt das neue Programm von Frederic Hormuth. Der 1968 in Mannheim geborene und seit einigen Jahren in Heppenheim lebende Kabarettist hat sich dafür sogar mit der Geschichte des Trüffelschweins beschäftigt. Im April war Premiere. Im MEIER-Interview verrät Hormuth, warum er nicht mehr bloggt, wann Gitte Haenning nackt war, und wer im Moment die Säue und Schweine sind.

MEIER: Sie haben vier Jahre lang täglich gebloggt, bis zum 31. Dezember 2010. Warum jetzt nicht mehr?

Frederic Hormuth: Es heißt ja: Man soll aufhören, wenn‘s am schönsten ist. Ich will nicht sagen, dass es mich gelangweilt hat, aber zuletzt war es viel Routine. Das ist für kreative Prozesse immer blöd.

MEIER: Stimmt es, dass der meistgelesene Artikel „Gitte Haenning nackt“ war?

Hormuth: Es war zumindest der meistgesuchte. Ich konnte sehen, mit welchen Suchbegriffen bei Google die Leser auf meine Seite gekommen sind. Offensichtlich wollten viele wissen, ob Gitte Haenning mal nackt war. War sie sogar öffentlich. Im letzten Jahrhundert.

MEIER: Im letzten Blog schreiben Sie: „Aber so ist das Internet. Du suchst die Weltformel und am Ende kriegst du doch wieder nur Titten.“

Hormuth: Ja, es ist absurd. Es gab viele Anfragen, die mit Sex zu tun hatten. „Anke Engelke nackt“ kam auch sehr oft vor. In meinen Blogs ging es natürlich weder um die nackte Anke Engelke noch um die nackte Gitte Haenning. Sie wurden lediglich erwähnt – und irgendwo stand auch das Wort „nackt“.

MEIER: Jetzt gibt es „Hormuths Kaffeesatz“, als „Gefällt mir“-Seite bei Facebook. Wie ist die Resonanz?

Hormuth: Ich kann mich nicht beklagen. Was ich schon am Bloggen gemocht habe, war die Kommunikation mit Stammlesern. Das funktioniert auch bei Facebook. Ich biete den Leuten einen Satz, und den können sie kommentieren. Solche „One-Liner“ schreibe ich ja eh jeden Tag.

MEIER: Zum Beispiel diesen: „Und ich dachte immer, Gaddafi ist nicht echt, sondern eine Bühnenfigur von Helge Schneider.“ – Besteht die Gefahr, dass sich einige sagen: Zum Hormuth muss ich nicht hingehen, er unterhält mich ja im Internet?

Hormuth: Die Gefahr habe ich eher beim Blog gesehen, weil die Texte umfangreicher waren. Aber generell kann es durchaus passieren, dass man übermütig zu viel raushaut. Deshalb will ich mich auch verstärkt auf die Bühne konzentrieren und nicht über das Internet zu viel verschenken. Der eine Satz, den ich jetzt schreibe, ist eher als Appetithappen gedacht.

MEIER: Wie oft schauen Sie selbst bei Facebook rein?

Hormuth: Ich nutze es täglich, bin aber bei privaten Angaben vorsichtig. Ich würde zum Beispiel nicht groß ankündigen, dass ich ab morgen zehn Tage im Urlaub bin.

MEIER: Macht es Facebook für einen Kabarettisten schwerer, sich etwas zu überlegen? Weil dort zum Beispiel schon ganz schnell vermeintlich alle Witze über Karl-Theodor zu Guttenberg verfügbar sind?

Hormuth: Ich sehe das eher positiv: Dann sind die billigen Scherze schon alle weg – und der Kabarettist ist gezwungen, sich mehr Mühe zu geben.

MEIER: Wie lautet der beste Scherz über Guttenberg?

Hormuth: Der erste Witz, den ich lustig fand, stand in der „taz“: Dr. Googleberg.

MEIER: Guttenberg ist zurückgetreten. Wie reagiert das Publikum? Sitzen bei Ihnen auch Fans im Saal, die sich über Guttenberg-Scherze beschweren?

Hormuth: Ja, aber der Anteil derer, die es gemein finden, wird kleiner. Und das ist spannend. Deswegen finde ich auch Kabarett so geil. Am Anfang gab es noch viele, die gesagt haben: „Ach, lass‘ doch den Mann in Ruhe.“

MEIER: Wie haben Sie dann reagiert?

Hormuth: Ich habe gesagt: Liebe Gutti-Fans, da müsst ihr jetzt durch. Wir anderen haben zwei Jahre lang gelitten.

MEIER: Hat Guttenberg auch bei Ihnen geklaut?

Hormuth: Bisher ist mir nichts bekannt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass er jetzt meine alten Merkel-Witze rumerzählt.

MEIER: Wie oft kommt es vor, dass man sich als Kabarettist denkt: Moment! Ich habe den Eindruck, da hat jemand eine Pointe von mir übernommen? – Ist das ein Problem in der Branche?

Hormuth: Problem nicht unbedingt, aber das passiert durchaus. Ab und zu gibt es Kollegen, die etwas unsauber arbeiten. Dann werden intern höfliche Briefe geschrieben. Es kann ja auch vorkommen, dass einem tatsächlich etwas einfällt, was es schon gibt. Viele Gags liegen einfach in der Luft. Da ist es dann nicht schlimm. Es ist aber immer noch ein großer Unterschied, ob ich es markiere, ausschneide und wieder einfüge ...

MEIER: Im April feiern Sie mit Ihrem neuen Programm Premiere. In der Ankündigung steht: „Frederic Hormuth räumt auf und zeigt, wer alles zusammengewachsen ist, ohne wirklich zusammengehört zu haben. Denn Deutschland ist oft nur eine Zweck-WG.“ Hätten Sie ein Beispiel für eine Zweckgemeinschaft?

Hormuth: Schwarz-Gelb in Berlin. Die halten es ja kaum miteinander aus. An denen sieht man auch sehr schön: Eine Gemeinschaft ist immer gefährdet, wenn es nur eine Zweckgemeinschaft ist. Ich beschäftige mich aber nicht nur mit Schwarz-Gelb, sondern generell mit dem Thema Beziehungen, mit der Frage „Wer mit wem?“. Es gibt ganz unterschiedliche Beziehungen – gute, schlechte, auch parasitäre: Einer nutzt den anderen aus, ohne dass der andere es merkt.

MEIER: Das Programm heißt „Charaktersau sucht Trüffelschwein“. Dafür haben Sie sich sogar mit der Geschichte des Trüffelschweins beschäftigt. Was ist am Trüffelschwein so interessant?

Hormuth: Ich finde es als Leitmotiv sehr spannend. Für diese Schweine duften Trüffel wie rallige Eber. Sie riechen sie und fangen an zu graben. Und kurz bevor sie die Trüffel haben, kommt der Bauer und schiebt ihnen als Ersatz einen Maiskolben in die Fresse. Das ist eine Hochbegabung, die brutal ausgenutzt wird. Ich glaube, so geht es uns allen regelmäßig. Wir spüren instinktiv, was im Leben wichtig und wertvoll ist. Und da wollen wir hin. Aber dann werden wir mit einem Ersatz-Maiskolben abgefüttert. Das ist wie die Sache mit der Weltformel und den Titten.

MEIER: Wer sind im Moment die Charaktersäue und Trüffelschweine?

Hormuth: Ich will nicht allzu verschwörungstheoretisch rüberkommen, aber ich würde sagen: Wir sind die Schweine. Die Säue sind Bild, RTL, Bertelsmann und alles, was damit zusammenhängt. Wir werden abgelenkt und unterhalten, man könnte auch sagen: klein gehalten.

MEIER: Apropos RTL: Wie fanden Sie eigentlich die neue Show von Bülent Ceylan?

Hormuth: Ich bin nicht unbedingt der typische RTL-Comedy-Gucker. Deshalb hatte ich vorher überhaupt nichts erwartet. Aber es war nicht so blöd, wie ich es befürchtet hatte. Ich war angenehm überrascht. Er hat sich seine Natürlichkeit in der Sendung bewahrt. Das fand ich gut.

Interview: Dimitri Taube

Termine: frederic-hormuth.de

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