Tragikomödie von Helmut Krausser

Serge hat eine Leiche im Keller. Keiner ahnt etwas davon. Vielleicht hätte man eine Ahnung davon bekommen können, als der renommierte Werber sich während eines Meetings in der Agentur in die Hosen macht und alle Anwesenden etwas beschämt aus der Wäsche gucken. Serge ist der Anti-Held im neuen Roman von Helmut Krausser, obwohl in dieser wohlaustarierten Geschichte auch andere Figuren Raum für sich beanspruchen: zuallererst Kati, Serges Frau, und David, Serges Kollege, ein Fotograf, der ein Verhältnis mit Kati eingegangen ist. Der Beziehungsstatus dieser drei Mittdreißiger ist kompliziert, ihr Dasein neurotisch.

Helmut Krausser hat einen wunderbaren kleinen Roman über die Unmöglichkeit des Glücks und der Liebe und das immer irgendwann unberechenbar hervorblubbernde Unbewusste geschrieben. Die peinliche Szene im Büro, eine Mischung aus Überforderung, Paranoia und Provokation, ist nur der Anfang. Aberglaube und Pech und Mitleid spielen fortan eine gewisse Rolle, und Serge landet nach seinem Zusammenbruch erst einmal in der Klinik. Und dann auf Malta, wo er mit Kati für ein paar Wochen bei Freunden aus der Poker-Halbwelt wohnt.

Es beginnt ein aus wechselnden Ich-Perspektiven erzählter Psychothriller mit Wahn- und Eifersuchtsmomenten, die aus der erhofften Erholungsreise einen kleinen Horrortrip machen. „Die letzten schönen Tage“ dringt sehr genau ein in die Beziehungsökonomie dieses Paares und möglicherweise, ohne diesen Anspruch zu erheben, in die Beziehungsökonomien unserer Gegenwart. Es ist ein vermeintlich leicht hingeworfener und tief verstörender Roman, der mit einer Desillusionierung und zugleich einem aus der Verzweiflung heraus geborenen Hoffnungsschimmer endet.

[Ulrich Rüdenauer]

* Helmut Krausser: Die letzten schönen Tage. DuMont Verlag. 223 Seiten. € 19.99

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