Der vergessene Sohn Mannheims im MEIER-Interview

Egal, ob es um Zigarettenmarken geht, um Filmtitel oder um Fußballer („Beckham-Bauer“, „Trapper Toni“) – Willy Astor fällt fast immer eine Wortspielerei ein. Im Juni war der bayerische Komödiant und Musiker in Mannheim zu Gast, mit seinem Programm „Tonjuwelen“. Im MEIER-Interview spricht der 49-Jährige über seine Arbeit und verrät, warum er Hip-Hop-Fan ist und welche Beziehung er zu den Söhnen Mannheims hat.

Meier Sie sind mit Wortspielereien bekannt geworden. Ein Klassiker ist zum Beispiel die Nummer mit dem Alkohol: „Mit dabei war der Jack, der Jim, der Johnnie und der Kai; es waren vier Kai dabei: der Caipirinha, der Caipiroska, der Kai Pflaume und der Keine Ahnung.“ Oder auch: „Wir nannten uns die Selbsthilfe-Grappa.“

Willy Astor Genau.

Meier Wie haben Sie die Getränke recherchiert? Alle probiert? Oder einfach nachgeschaut, welche es gibt?

Astor In diesem Fall bin ich mit Stift und Zettel in den Supermarkt gegangen, hab‘ mich umgeschaut und alles aufgeschrieben. Einfacher und schneller läuft’s natürlich, wenn man bei Google nachschaut. Aber die eigentliche Arbeit besteht darin, sich anschließend auch einen Text dazu auszudenken.

Meier Sie sagen: „Die deutsche Sprache ist wie ein unerschöpflicher Brunnen.“ Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Astor Die deutsche Sprache bietet unglaublich viele Kombinationsmöglichkeiten. Ich kann mich im Prinzip jeden Tag an einen gedeckten Tisch setzen. Ich liebe es, mit den Wörtern zu spielen und das Publikum erstmal ein bisschen hinters Licht zu führen, und sie dann aber relativ bald merken zu lassen: Aha, dieses Wort hat ja noch eine zweite Bedeutung.

Meier Im Juni spielen Sie in Mannheim. Haben Sie schon mal eine Wortspielerei über Mannheim gemacht? Oder einen Song?

Astor Bisher nicht. Aber ich schreibe oft Lieder über Regionen und Städte in Deutschland, als Dankeschön. Also: Mannheim, da kommt bestimmt noch was. In Mannheim hatte ich bisher nämlich immer wunderbare Abende.

Meier Zu Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims haben Sie eine besondere Beziehung. Wie kam’s?

Astor Ich habe vor einiger Zeit meinen ersten Hip-Hop geschrieben und den dann auch in Mannheim auf der Bühne vorgestellt. Ich habe gesagt: „Ich bin einer der Söhne – einer der vergessenen Söhne Mannheims.“ War eine schöne Nummer. Den Leuten hat’s gefallen.

Meier Wie finden Sie Xavier Naidoo?

Astor Bei einem Xavier-Naidoo-Konzert werden sie mich sicher nicht treffen ... Trotzdem: Ich bin ein Fan von Hip-Hop. Rappen ist eine große Kunst. Hip-Hop zu reimen ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe für einen Songwriter.

Meier Warum?

Astor Es ist viel schwieriger, gute Reime zu schreiben, die wie Kaskaden ineinanderfließen, als nur ein paar Zeilen, die sich ganz normal reimen. Vor Leuten, die wirklich guten Hip-Hop machen, ziehe ich meinen Hut. Und ich muss sagen: Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims schätze ich sehr. Ich nehme sie als Musiker sehr ernst.

Meier Aber?

Astor Xavier Naidoo ist nicht unbedingt mein Lieblingssänger. Seine Texte sind mir dann doch zu religiös.

Meier Nach Mannheim kommen Sie mit „Tonjuwelen“, Ihrem Jubiläumsprogramm. Sie sind jetzt seit mehr als 25 Jahren dabei. Was hat sich in dieser Zeit bei Ihnen verändert? Macht es noch so viel Spaß wie am Anfang?

Astor Es ist nach wie vor ein phantastischer Beruf. Ich bin sehr dankbar, dass ich auf der Bühne stehen und die Leute unterhalten darf. Nur: Es ist immer unglaublich schwer, sich neu zu erfinden. Die ersten fünf, sechs Jahre habe ich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt. In dieser Zeit konnte ich mich aber entwickeln und einiges probieren. Dann kam der erste Erfolg. Man genießt ihn natürlich, aber wenn man mal Erfolg hatte, will man ihn beim nächsten Mal toppen. Das ist eine große Herausforderung. Auch mein neues Programm wird wieder so eine Herausforderung. Ich schreibe es gerade.

Meier Wie haben Sie die Herausforderungen bisher gemeistert?

Astor Mit Geduld und Durchhaltevermögen. Man will schließlich vermeiden, dass das Publikum irgendwann sagt: „Mensch, der war aber auch schon mal besser.“

Interview: Dimitri Taube (MEIER 6/2011)

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