Das ist das Panorama der Malocher: die Straße, der Rhein, dralle Männer in Feinripp, das pompöse Großkraftwerk mit seinen hoch in den Himmel ragenden, rauchenden Schloten und natürlich die Rheinfähre, der einzige Weg, stilecht anzureisen. Die Binnenfähre verbindet Neckarau mit Altrip und nach der Fünf-Minuten-Überfahrt ist der Reisende glücklich, dass es sie gibt, diese kleine, ehrliche Taverne, fünfzig Meter von der Anlegestelle weg. In der Fährklause sitzen keine Chai-Tea-Latte-Trinker, so einen Unfug gibt’s hier gar nicht. Hier gibt’s „Stein Bier“ für € 3.80 – pro Liter! Oder Weißherbstschorle, € 2.90 der halbe Liter. Es ist ein lauwarmer Sonntag und natürlich sitzen alle draußen, in diesem charmanten Biergarten mit Blick aufs Großkraftwerk – und auf den Auto-Korso, der auf die Fähre will. Darunter leidet die königliche Stimmung nicht, die Leute sind ja auch cleverer als vor zehn Jahren und stellen den Motor ab. Und so riecht es nur nach Wald (von hinten), nach Fluss (von vorne) und nach Buletten (aus der Küche). „Frikadellen mit Kartoffelsalat, Wurstsalat, abholen bitte.“ Unser Essen steht in der Ausschankluke. Die Frikadellen (€ 6.–) sind köstlich. Wie bei Oma, selbst gemacht, mit frischesten Zutaten. Eine Offenbarung: der Kartoffelsalat! Der bullige Radler nebenan schielt mit seinem hochroten Kopf schon rüber. Ihm ist die Kette gerissen, seine Finger sind schwarz, auch auf seiner Backe und seiner Glatze hängt Ölschmiere, er sieht aus, als käme er gerade aus der Grube, nimmt’s aber gelassen und trinkt ein Radler. Der Kumpel wendet den Blick von den Tellern und blickt mit gläsernen Augen auf den rauchenden Schlot am anderen Ufer. Der Wurstsalat (€ 4.60) schmeckt auch, nur das steife Brot dazu ist eher Taubenfutter. Wir fragen die Köchin, die den Laden alleine schmeißt, nach der anonymen Zutat, die den Kartoffelsalat so geil macht. „Moint ihr, ich verrat hier Küchengeheimnisse?“ Schade. Ne’ Runde Ouzo stattdessen? Der Kurze kost’ nur einen Euro. Die Fähre legt an, der Radler schlürft sein Radler in einem Zug aus und sattelt auf. Seine gerissene Kette schleift am Boden. „Tschüss, ne“, ruft er noch, der Biergarten nickt, dann rollt das lädierte Fahrrad mit seinem lädierten Fahrer langsam den Abhang runter, zurück zur Fähre, zurück nach Monnem.

Text und Foto: Sebastian Riemer, MEIER 06/2011

 

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