Der Element-Of-Crime-Sänger im MEIER-Exklusivinterview

2010 feierten sie das 25. Jahr ihres Bestehens als Band, doch von einer Jubiläumsfeier möchte der Sänger und Texter Sven Regener wenig wissen. Lieber veröffentlichen Element of Crime mit „Fremde Federn" ein Album mit lauter Coverversionen, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind, und gehen damit auch nicht wirklich auf Tour, weil da ja auch noch das etwas ältere Studioalbum  „Immer da wo du bist bin ich nie“ vorzustellen ist. Im Februar gastierte die Band im Mannheimer Capitol. MEIER hat mit Sven Regener über mögliche Vorurteile gegenüber der Band Wham! und die Kunst des reflektierten Coverns gesprochen.

MEIER: Gibt es in der Musikgeschichte einen Song, den Du selbst gerne geschrieben hättest?

Sven Regener: Da gibt es viele. Wir haben ja gerade ein ganzes Album mit Coverversionen heraus gebracht, die wir in den letzten zwanzig Jahren als Element of Crime aufgenommen haben. Bei fast jedem dieser Lieder ist das so. Jedes Lied, das einem gefällt, hätte man als Künstler gerne selbst geschrieben.

MEIER: Was gehört vor dem Hintergrund dieses Coveralbums mit dem ehrlichen Titel „Fremde Federn“ überhaupt zu einer guten Coverversion?

Regener: Eine gute Coverversion heißt für mich: ein Lied so zu spielen, dass es Spaß macht und  sich gut anhört. Bei einer stilistisch so speziellen Band wie Element of Crime ist dabei natürlich wichtig, dass man uns in der Version wieder findet.

MEIER: Wie schafft Ihr es, Euch so auf die verschiedenen Lieder einzulassen, dass alle nach Element of Crime klingen? Das Spektrum auf „Fremde Federn“ reicht von anspruchsvoller Musik wie Franz Josef Degenhardt oder Noir Désir bis zu, sagen wir, eher grenzwertigen Songs wie „Last Christmas“ von Wham!.

Regener: ES sind alles Lieder, die wir mögen. Wir würden kein Lied spielen, auf das wir keine Lust haben. Ich finde im übrigen „Last Christmas“ gar nicht grenzwertig, denn Musik ist ja immer Geschmackssache. Wham! hatten zwar eher einen happy sound, aber das Lied selbst ist todtraurig und steht im völligen Kontrast zur Musik. Das hat es uns leicht gemacht, es in unseren Stil hinein zu holen, denn das Stück hält das aus.

MEIER: In den Linernotes zu „Fremde Federn“ hast Du geschrieben, dass Ihr mit dem Covern die Herausforderung gesucht habt.

Regener: Das schon, aber wir wollten dabei weder uns noch das Lied zu extrem verbiegen. Insofern bin ich sehr stolz, dass unser Wham!-Cover funktioniert und wir zudem unsere Vorurteile gegenüber der Band zerstört haben. Die Zerstörung von Vorurteilen ist immer eine gute Sache.

MEIER: Du schreibst auch, dass Euch das Covern in den Anfängen Eurer Karriere geholfen hat, einen Weg zu ungezwungeneren Aufnahmesessions zu finden und Spannungen innerhalb der Band abzubauen.

Regener: Als junge Band hat man noch wenig  Erfahrung mit dem eigenen Stil, den man entwickelt. Das ist oft Gegenstand von Auseinandersetzungen, denn gerade wenn diese Band dazu geschaffen ist, eigene Songs zu schreiben, ist jedes Lied ein hart umkämpftes Gebiet. Beim Aufnehmen von Coverversionen hat man nicht das Problem, dass die Songs sich beweisen müssen. Man muss sich nur noch damit beschäftigen, wie der Song im eigenen Stil klingt.

MEIER: Ist das Covern eine Therapie gewesen, die heute noch wichtig für Euch ist?

Regener: Manchmal ist das so, obwohl Therapie ein zu klinisches Wort dafür ist. Wir haben über Coverversionen sehr viel über uns selbst gelernt.

MEIER: Einige Eurer Hörer haben ein Problem mit „Fremde Federn“, da sie vor allem Euer eigenes Material über alle Maßen schätzen. Verstehst Du das als Kompliment für Dich als Songwriter oder als Zurückweisung?

Regener: Weder noch, denn als Künstler muss man irgendwann lernen, dass man nichts machen kann, ohne dass es Leute gibt, die das Eine gut und das Andere schlecht finden. Dass „Fremde Federn“ umstritten ist, liegt sicher an der bereits angesprochenen stilistischen Bandbreite der Songs von Degenhardt über die Rentnerband bis hin zu Wham!. Vielleicht gefällt eine Platte in dieser Bandbreite auch nur uns.

MEIER: Seit Eurem Album „Weißes Papier“ von 1993 seid ihr kommerziell immer erfolgreicher geworden. Mit „Immer da wo du bist bin ich nie“ habt ihr Platz 2 der deutschen Charts erreicht. Spürt ihr diesbezüglich einen Erfolgsdruck?

Regener: Wir haben diesen Erfolg ja glücklicherweise nicht durch Singlehits erreicht, was eher mit Druck verbunden wäre. Wenn von zwölf Songs einer durch die Decke geht, ist der Druck groß, noch einmal so ein Ding zu schreiben. Wir haben den Erfolg zu unseren Bedingungen gehabt, Album für Album veröffentlicht, unsere stilistischen Möglichkeiten erweitert und einfach weiter gemacht. Wir haben jeden, der auf unsere Musik steht, einzeln abgeholt. Wir sind keiner Szene oder Sache verpflichtet und müssen nicht einmal im Radio laufen.

MEIER: Das setzt voraus, dass man erst einmal wie ihr 25 Jahre im Geschäft ist. Hättest Du je gedacht, dass Du so lange und so erfolgreich als Rockmusiker aktiv sein würdest?

Regener: (lacht) So lange sind wir auch nicht dabei. Wenn ich daran denke, was für sture Zausel wir waren und wie schwer wir uns zusammengerauft haben, hätte ich das bei Element of Crime allerdings nie gedacht. Was uns bei der Stange gehalten hat, ist nicht das Zusammenbleiben um jeden Preis, sondern die Tatsache, dass hinter der eigenen Musik mehr steckt und die Band noch nicht ausgereizt ist. Das geht aber nur, wenn man ab und zu neue Songs schreibt, auf Tour geht und auch mal in Städten wie Mannheim spielt und nicht nur in Köln und München.
Aber um das mit den 25 Jahren mal abzukürzen: Mir kommt es nicht so vor, als würde die Band mittlerweile 25 Jahre Geschichte mit sich herumschleppen. Wir haben bloß das ganz große Glück, aus genügend selbstgeschriebenen Songs auswählen zu können. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Geschichte der Band deren Gegenwart belastet. Das wäre wohl der Punkt, an dem man aufhören müsste.

MEIER: Und Du bist auch niemand, der in solchen Momenten zurückblickt?

Regener: Gut, man denkt mit zunehmenden Alter schon gerne über die Vergangenheit nach und wie das alles kam. Das ist aber nicht auf die Band beschränkt, wobei die natürlich die Hälfte meines bisherigen Lebens ausmacht. Die Gegenwart von Element of Crime beeinflusst das aber nicht. Wir sind eben keine Typen, die Jubiläen feiern.

MEIER: Ihr seid im Frühjahr wieder auf Deutschlandtour und unter anderem auch in Mannheim zu sehen. Werden wir auf der Tour vornehmlich Stücke von „Fremde Federn“ zu hören bekommen?

Regener: Das weiß ich noch nicht genau. Wir werden natürlich die neuen Songs von „Immer da wo du bist bin ich nie“ spielen. Cover werden wir sicher ein oder zwei spielen. Ich würde die Coverversionen aber nicht als Zentrum nehmen. Das hätte was von Marketing, das fände ich irgendwie seltsam.

Interview: Christian Hautz & Anika Meier (MEIER 2/2011)

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