Der Ex-Knacki im MEIER-Exklusivinterview

Mit seinem politisch-absurden Stand-Up ist Klaus-Jürgen Deuser seit Jahren erfolgreich. Im Januar kommt der „Nightwash“-Erfinder nach Mannheim – mit seinem Programm „Mist, mir geht’s gut“. MEIER sprach mit Deuser Ende des Jahres und fragte, warum es ihm eigentlich gut geht, ob er zu Hause auch so lustig ist und was er von Sex mit Charlotte Roche hält.

MEIER: In Mannheim spielen Sie das Programm „Mist, mir geht’s gut“. Wie oft hören Sie die Frage „Warum geht’s ihnen gut? Ist doch alles schlecht!“?

Klaus-Jürgen Deuser: Ständig. Dieses Jammern auf hohem Niveau ist eine deutsche Eigenart. Ich bin damit aufgewachsen. Wenn ich aber durchs Leben gehe, stelle ich fest: Die meiste Zeit geht’s mir doch verhältnismäßig gut.

MEIER: Warum?

Deuser: Es gibt zwei Gründe: Ich lebe seit vielen Jahren in Köln. Das ist ansteckend. Und meine Frau ist Amerikanerin. Da fällt es nicht schwer, gut gelaunt zu sein.

MEIER: Und wieso „Mist, ...“?

Deuser: Ich ärgere mich manchmal darüber, dass ich gut gelaunt bin. Ich denke dann: Mann, ich stehe doch auf der Bühne! Ich bin Stand-Upper! Kabarettist! Da muss man sich doch aufregen! Alles schlecht finden! – Wenn man so an die Sache rangeht, findet man auch viel einfacher Themen für die Bühne. Das funktioniert natürlich nicht, wenn man sagt: Eigentlich ist vieles ganz okay.

MEIER: Wie geht es Ihnen im Moment?

Deuser: Gut. Ich bin nur ein bisschen müde. Aber das ist immer so am Jahresende.

MEIER: Jeden Abend auf der Bühne?

Deuser: Fast jeden Abend. Und es ist wie so oft: Das ganze Jahr freut man sich, dass man bald viel zu tun bekommt, und dann hat man viel zu tun und das erste, was man sagt, ist: Ach, es ist echt stressig im Moment. Dann muss ich mir selbst erstmal sagen: Komm, du hast dich das ganze Jahr drauf gefreut; mach‘ jetzt!

MEIER: Funktioniert das?

Deuser: Mittlerweile schon. Ich gehe viel entspannter an die Arbeit als früher.

MEIER: Wie war‘s früher?

Deuser: Viele Künstler und Bühnenmenschen kennen das: Man hat sich vorbereitet und kurz vor dem Auftritt denkt man sich, „Och, jetzt wär‘ ich aber gerne zu Hause ...“ Das hab‘ ich eine Zeit lang auch an mir beobachtet. Aber irgendwann dachte ich mir: Nein, jetzt wärst du nicht gerne zu Hause! Genieße es!

MEIER: Wie geht es eigentlich Deutschland? Ist das Land entspannter und lässiger geworden im Jahr 2010?

Deuser: Nein, man jammert weiter vor sich hin. Wenn Deutschland 2010 eines nicht geworden ist, dann lässig.

MEIER: Charlotte Roche wollte mit dem Bundespräsidenten schlafen. Was kommt als nächstes?

Deuser: Wahrscheinlich bietet sie einem aussteigewilligen Terroristen einen Blowjob an.

MEIER: Muss man es komisch finden, wenn Roche mit Christian Wulff ins Bett will?

Deuser: Man kann. Es war allerdings auch eine demaskierende Aussage. Auch wenn’s komisch gemeint war, steckt eine andere Botschaft dahinter.

MEIER: Welche?

Deuser: Frauen denken offenbar, mit Sex kriegen sie alles. Das finde ich erstaunlich. Ich frage mich, wie Wulff reagiert hat ...

MEIER: Wie hätten Sie reagiert?

Deuser: Ich hätte gesagt: Ach nee, lass mal, ich nehme doch lieber Geld.

MEIER: Sie sind – so kann man das vielleicht sagen – nicht der „Lauteste“ im Comedy-Bereich. Wie ist das abseits der Bühne? Müssen Sie da immer lustig sein? Oder halten Sie sich eher zurück?

Deuser: Im „wahren Leben“ bin ich wahrscheinlich nicht so viel anders als auf der Bühne. Jeder Mensch nimmt seinen Beruf mit nach Hause – bis zu einem gewissen Punkt ist das auch bei mir so. Wenn ich die ganze Zeit Gags mache, Witze schreibe, Sprüche suche, dann sitze ich natürlich später nicht zu Hause auf der Couch und heule. Ich mag es, wenn Leute lachen. Es gibt mittlerweile die ersten Freunde, die sagen: Langsam wirst du auf der Bühne so lustig wie du sonst immer bist.

MEIER: Sie haben mal ein Buch geschrieben, „How to be lustig“. Der beste Tipp, den Sie geben können?

Deuser: Mutig sein. Entweder ich erzähle einen Witz oder ich lass‘ es sein. Man muss auch mal machen – das gilt grundsätzlich, nicht nur beim Witzemachen, sondern überall im Leben. Genau das schätze und hasse ich an den Amerikanern: Die machen einfach. Und wir?

MEIER: Erstmal eine Kommission gründen.

Deuser: Genau. Erstmal ewig diskutieren. Und sich später wundern, dass die anderen die Idee schon längst umgesetzt haben ... Mit Mut meine ich aber auch den Mut zur „Unperfektheit“. Okay, sagt grad der Richtige. Ich plane eigentlich immer alles ... (lacht)

Interview: Dimitri Taube

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1 Antwort zu “Klaus-Jürgen Deuser”

  1. der Herr Online Redakteur schrieb am Donnerstag, dem 20. Januar 2011 um 18:21

    PS!
    Den Herrn Deuser hatten wir auch schon für den MEIER Podcast vor der Kamera: Video-Interview hier:
    www.meier-online.de/podcast/godeltade-podcast-20-nightwash-zum-ersten-mal-im-bootshaus/

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