Historischer Roman von Peter Carey

Warum ist ein Ableger Europas zur Weltmacht geworden? Warum diese Demokratie ohne Geschichte aufsteigen wird, fragt sich der hochadlige Olivier de Garmont allerdings nicht ganz freiwillig. Die Forschungsreise in die Vereingiten Staaten wird ihm aufgezwungen, um ihn vor den Gefahren der Juli-Revolution von 1830 halbwegs ehrenvoll außer Landes zu bringen. Sein Auftrag: Untersuchung des amerikanischen Gefängnissystems.

Nach unterhaltsamer Überfahrt landet er in einer Staatsform, wie sie ihm in Frankreich nicht einmal in seinen Alpträumen untergekommen ist. Gut, im provinziellen New York will ihn keiner unter eine Guillotine legen, aber dass es hier keine gottgegebenen Unterschiede zwischen den Menschen gibt und keinen Müßiggang, um eine Kultur aufzubauen, verkraftet er kaum. Sein Diener und Sekretär, der ihm ebenfalls aufgenötigt wurde, sieht die neue Welt gelassener. Parrot ist Engländer, kommt von ganz unten und findet Gefallen daran, dass ihn sein Herr in der Öffentlichkeit plötzlich nicht mehr wie einen Lakaien behandeln kann.

Peter Carey erzählt spannend die sozialen Umbrüche und Biografien, die aus dem Adligen und dem Abenteurer ein absurdes Paar machen. Für Olivier de Garmont stand dabei der Gelehrte Alexis de Tocqueville Pate, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Siegeszug der Demokratie und der USA voraussagte. Aber das Buch ist mehr als ein historisches Traktat. Es ist ein Abenteuerroman, eine philosophische Abhandlung, ein Künstler-, Entwicklungs- und Liebesroman. Und ganz nebenbei eine Satire auf die USA der Gegenwart.

 

[Frank Barsch]

 

* Peter Carey: Parrot und Oliver in Amerika. Aus dem Englischen von Bernhard Robben. S.Fischer Verlag. 560 Seiten. € 24.95

 

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