„Gute Weinachte“ steht an der Tür, es ist Mitte Januar. Darüber eine portugiesische Flagge, das Restaurant heißt „Madrid“.
Drinnen: Weihnachtsmann, Weihnachtsbaum, Weihnachtsgesteck. Zwischen Raucher- und Nichtraucherraum klebt an der Decke eine Schaumstoffkonstruktion, an der ein roter Samtvorhang hängt. Blöd: Der Vorhang ist nicht lang genug, es riecht überall gleich – nach Kneipe. Egal. Am Keyboard sitzt Mario Jorge Magalhes Dos Santos und spielt portugiesische Volkslieder. Neben ihm steht ein Mann mit Lidl-Tüte, am Spielautomaten. Herr Magalhes Dos Santos ist der Besitzer, er ist Portugiese. Seine Frau kocht, sie kommt aus Spanien, deshalb „Restaurant Madrid“. Herr Magalhes Dos Santos weist mir freundlich einen Platz in seinem – bis auf den Lidl-Tüten-Mann – leeren Restaurant zu. Ich sitze direkt vor einer riesigen Fototapete, die einen noch viel riesigeren Wasserfall zeigt. Auf dem Tisch: Plastikblumen in einer mit Wasser gefüllten Vase. Ich bestelle eine Karaffe „Hause Wain“. Das Glas hat keinen Lippenstiftrand. Es sieht eher so aus, als hätte der Lippenstift einen Glasrand. Dann kommt die „Klain Gamischter Kalt Platte“. Drei Scheiben Käse, vier Scheiben Weißbrot, sechs Scheiben Chorizo. Sieben Euro. Herr Magalhes Dos Santos geht zurück ans Keyboard. Von dort kann er den Fernseher besser sehen, auf dem sich tonlos eine portugiesische Familie streitet. Er haut engagiert in die Tasten, plötzlich schreit es aus der Küche! Der gute Ehemann schreckt hoch, springt zu seiner Frau und kommt mit „Gebratener Fichplatte“ zurück. Die habe ich bestellt, weil ich mich zwischen „Rinder“, mehrere „Schweinegericht“ und einer „Party Fruti di Mer Platte“ für 100 Euro nicht entscheiden konnte. Die „Gebratener Fichplatte“ ist dann auch eher eine „Panierter Fichplatte“. Alles zupaniert – Stockfisch, Gambas, Sardinen, alles. Sehr sättigend, und der süße „Hause Wain“ läuft dazu runter wie Öl. Herr Magalhes Dos Santos surft derweil vergnügt auf Youtube. Er legt Fado auf, sehr stimmig. Dann geht die Tür auf, die zwei Dos Santos-Sprösslinge. Jetzt wird es doch noch richtig gesellig. Herr Magalhes Dos Santos, die Teenies, der Lidl-Mann und ich. Für mich selbst völlig überraschend beschließe ich das einzig Richtige: Ich werde wieder kommen, mit dem netten Herr Magalhes Dos Santos einen „Hause Wain“ trinken, und ich werde kühn sein, tollkühn sogar, denn ich werde einen „Haifisch Gagriller“ essen. „Zahlen bitte!“
[Text: Sebastian Riemer, Foto: Philipp Rudolf, MEIER 02/2011]
Restaurant Madrid
Lutherstr. 27
Mannheim




