Die Schauspielerin und Regisseurin im MEIER-Exklusivinterview

In „Hi Dad! Hilfe. Endlich Papa“ geht es ums Elternwerden. Mit allen Katastrophen, Ängsten und stillen Momenten. Im Februar war das Comedy-Stück – geeignet auch für „Nichtschwangere“ – im Mannheimer Capitol zu sehen. Esther Schweins führte Regie. Im MEIER-Interview spricht die in Viernheim aufgewachsene Schauspielerin und Moderatorin über Gynäkologen, Geburtsvorbereitungskurse und typische Männersätze.

MEIER: Was ist die größte Herausforderung für werdende Väter?

Esther Schweins: Sie müssen draußen bleiben. Während die Frau die Erfahrung ihres Lebens macht, muss der Mann warten und bekommt dieses Schild umgehängt, das man von Supermärkten kennt: „Wir müssen leider draußen bleiben.“

MEIER: Er ist da, aber nicht dabei?

Schweins: Genau. Der Mann steckt nicht wirklich drin, soll aber so tun, als würde er. Er muss trotzdem alles perfekt machen – darin liegt die Herausforderung.

MEIER: Und was ist die größte Herausforderung für Mütter?

Schweins: Sie müssen akzeptieren, dass ihre Männer nicht wirklich drinstecken.

MEIER: Im Stück „Hi Dad!“ geht es ums Elternwerden. Was können werdende Eltern aus dem Stück lernen?

Schweins: Toleranz und Nachlachen. Man kann an alles auch entspannt rangehen. Wenn man Kinder hat, ist es schwer, die Situation von außen zu betrachten. Das muss aber auch mal sein. Das tut gut. Eigentlich müsste die Krankenkasse den Besuch des Stückes bezahlen. Als Geburtsvorbereitungskurs.

MEIER: Inwiefern ist das Thema „Kinder bekommen/Eltern werden“ geeignet, um daraus eine komische Geschichte zu machen?

Schweins: Das ist ein sehr gutes Thema. Wenn es wie im Stück um einen Mann geht, der eigentlich keine Kinder haben wollte, der glücklich war mit seiner Beziehung, der frei und fröhlich durchs Leben spazierte, dann kommt es zu herrlichen und komischen Momenten. Die ergeben sich aus seiner Ohnmacht und Unwissenheit, seiner Überforderung und seinem guten Willen, es gut machen zu wollen. Da ist die Fallhöhe groß. Wenn man es besonders gut machen will, kann es schnell danebengehen.

MEIER: Sie wollten unbedingt Regie führen. Warum?

Schweins: Das war perfektes Timing. Ich hatte im November 2008 mein zweites Kind bekommen, die Proben begannen im Frühjahr 2009. Meine Tochter ist jetzt drei, so alt, wie am Ende das Kind im Stück. Insofern passte es. Und ich habe ja auch selbst einen Mann. Der konnte herrlich als Beispiel herhalten.

MEIER: Was haben Sie selbst während der Arbeit gelernt?

Schweins: Die Arbeit hat mir vieles erleichtert. Ich bin an einige Dinge gelassener rangegangen. Mit Kindern ist man immer so angespannt, so überanstrengt ... Im Stück heißt es: „Kinder! Das anstrengendste, was du dir im Leben antun kannst! Aber dafür hast du die Chance, dass sie dir die Beziehung ruinieren!“ – Ich konnte danach über viele Situationen in meinem eigenen Leben lachen.

MEIER: Zum Beispiel?

Schweins: Im Stück ist es so: Als die Wehen losgehen, geht der Mann erstmal in die Küche und backt Waffeln. Mein Mann ging erstmal ins Badezimmer und schnitt sich die Fingernägel ... Mutti stand am Auto und musste noch die Katze vom Dach holen und Vati schnitt sich die Fingernägel. In aller Seelenruhe.

MEIER: Wie erklären Sie sich das?

Schweins: Ganz einfach: Übersprunghandlung. Gibt’s oft. Das ist typisch.

MEIER: Was ist noch typisch?

Schweins: Das betretene Gesicht des Mannes beim Gynäkologen. Die Frau hüpft fröhlich auf dem Gynäkologen-Stuhl, und er empfindet das Ding als Folterinstrument und wundert sich, dass sie sich für einen fremden Mann auszieht. (lacht)

MEIER: Gibt es typische Sätze, die werdende Väter immer sagen?

Schweins: Klar. Zum Beispiel: „Schatz, du machst das prima, du machst das ganz, ganz toll.“ Typische Männersätze kommen auch im Stück vor. Aber mit dem Publikum hat der Mann einen Verbündeten. Einen dankbaren Zuhörer. Dem sagt er, was er wirklich denkt: „Eigentlich können wir Männer in dieser Situation nichts Sinnvolles machen, aber das lassen wir uns nicht anmerken.“

MEIER: Welche Wahrheiten spricht der Mann noch aus?

Schweins: Über den Geburtsvorbereitungskurs sagt er: „Stellen sie sich vor: Erwachsene Menschen in wallenden Gewändern wabern durch den Raum – mit losgelassenem Rektum, entspanntem Beckenboden und schlenkerndem Geschlecht, O-Töne von sich gebend, von denen man hofft, das sie niemals das Ohr eines Arbeitskollegen erreichen.“

MEIER: Wie lautet Ihr Tipp an werdende Väter?

Schweins: Klappe halten. Gute Väter und gute Partner sollten wissen, wann sie besser die Klappe halten.

Interview: Dimitri Taube

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