Plankstadt

Salvatore Crispino kann‘s nicht lassen. Eigentlich wollte er sich ja zurücknehmen, einfacher werden – und günstiger. Er wollte raus aus der Gourmet-Zone. Denn mit 100 Sitzplätzen drinnen und draußen, in einem 10.000-Seelen-Dorf, da hätte das Gourmetkonzept eben nicht mehr funktioniert. „Bistro, Café und Pizzeria“ steht jetzt an der großen Glasfront. Die gute Nachricht ist: Die Preise in Plankstadt, wohin das „Delle Rose“ im Mai zog, sind tatsächlich niedriger als noch in Schwetzingen. Und die schlechte Nachricht? Die gibt es nicht. Es schmeckt noch immer himmelsgleich. „Er braucht das Kreieren eben“, erzählt Ünzile, Salvatores Frau. Und da kann man nur sagen: zum Glück. Denn so schafft es Salvatore, auch für den kleineren Geldbeutel hochwertige Zutaten kreativ zu kombinieren. 

Etwa beim Rukola Fegato (€ 7.30), einem Rukolasalat mit Putenleber. Leber muss man mögen, klar, aber wer das tut, der ist hier glücklich. Saftige Melonenkugeln und Cocktailtomaten bieten einen tollen Kontrast zur zarten Geflügelleber – eine stimmige Komposition. Auch beim Insalata Pollo (€ 7.80) kann Salvatore Crispino nicht verstecken, auf welchem Niveau er gewohnt ist zu arbeiten. Die fein gebratenen Hähnchenbruststreifen und der beim Aufspießen wunderbar zerfallende Schafskäse werden vom dezenten Dijonsenf-Dressing nicht ertränkt. Lediglich die – etwas überraschend – erneut auftauchenden Melonenkugeln wirken hier ein wenig fehl am Platz.

Während die Sonne direkt nebenan langsam hinter der St. Nikolaus-Kirche verschwindet, der erfrischende Hausrosé (0,25 l € 4.20) die durstige Kehle kühlt und der Chef einem im Vorbeigehen nonchalant auf die Schulter klopft, fühlt es sich überhaupt nicht so an, als sei das hier Plankstadt. Eher Napoli, wo Salvatore Crispino herkommt. Und wenn dann der Hauptgang serviert wird, Agnolotti al Taleggio (€ 9.70), erinnert man sich wieder, von wo aus die Nudel ihren Siegeszug um die Welt antrat: Napoli natürlich. Die Crispinoschen – selbstredend hausgemachte Nudeltaschen – mit ihrer Füllung aus Taleggiokäse, Mozarella, Rikotta und Parmesan sind gebettet auf Selleriepesto und das ist eine verdammt gute Idee. Die verschiedenen Käsesorten summieren sich zu einem intensiven Geschmackserlebnis, so intensiv, dass partout kein schlagfertiger Spruch herauskommen will, als Salvatore spitzbübisch fragt: „Na, hab‘ ich gut gekocht?“ Ja, Salvatore, das haben Sie! Auch eine wilde Mixtur wie die Tagliolini al Zafferano (€ 10.30) mit Krabben, Lachs, Brokkoli und einer leichten Safrannote ist nicht zu wild – aber doch wild genug, damit sie hängen bleibt im kulinarischen Gedächtnis.

Was also bleibt? Keine 50 Euro ausgegeben, kein Platz mehr im Magen für die sicher tollen Desserts und der feste Vorsatz, wieder zu kommen, denn: „So eine Pizza wie bei mir, kriegen Sie hier nirgends. Unsere ist nicht auf Blech gebacken, sondern richtig, im Steinofen, schön knusprig, da können Sie zwei von essen, Sie werden nicht satt. Ein einziger Traum.“ Und jetzt raten Sie mal, wo die Pizza erfunden wurde.

[sebastian riemer / foto: dietrich bechtel / MEIER Ausgabe Juli 2011]

Delle Rose, Schwetzinger Str. 29 – 31, Plankstadt, 06202 970940, www.delle-rose.de, Di bis Sa 11 – 23, So 11 – 21 Uhr

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