(Anti)-Urlaubsroman von Doris Dörrie

Im Sommer 1976 ist es passiert: Apple lebte damals mit ihrer Hippie-Mutter Ingrid eine Hippie-Existenz am Strand des spanischen Torremolinos. Ingrid fing etwas mit Karl an, dem Bankangestellten aus Hannover mit Frau und Kind – was das Leben der fünf für immer verändern sollte. Als Ingrid 30 Jahre später, nun Hippie-Rentnerin, in das Fischerdorf zurückkehrt, erkennt sie es vor lauter Hotelbunkern kaum wieder. Nicht anders ergeht es Apple, die mit ihrer Freundin Susi angereist kommt, mit den alten Bekannten, die sie dort wiedersieht.

So über Frauen und Männer schreiben, das kann nur Doris Dörrie: so komisch, so tragisch, so voller Klischees und doch so wahr. In den Schrullen ihrer Figuren kann man leicht sich selbst und andere erkennen. Und das kann so scharf beobachtet sein, dass es wehtut. Ein Sommer-Sonne-Strand-Roman, der die ewige Sehnsucht der Deutschen nach dem Süden so dermaßen gnadenlos demontiert – das muss man erst einmal hinkriegen. Manchmal kommt dabei die Regisseurin in Dörrie durch, und dann droht der Text in einzelne Szenen zu zerfallen. Aber ihre erfrischende Sprache voller Witz und - ja - Weisheit macht dies locker wett.

Am Ende dann feiert man zusammen die Johannisnacht, in der angeblich Wünsche wahr werden. Und als Dr. Sigmund Freud, Apples Mops und Psychologe, zeigt, dass dieses Fest wirklich etwas Magisches hat und man die Vergangenheit abschütteln kann, wagen Apple und ihre Leute tatsächlich so etwas wie ein Happy End.

[Thomas Niederbühl]

* Doris Dörrie: Alles inklusive. Diogenes. 256 Seiten. € 21.90

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