Autobiografie von Suze Rotolo

Bob Dylans Jugendliebe steuert ein weiteres, unverstelltes Kapitel über den Vorabend der Kulturrevolution in den 60ern bei.

 

Suze Rotolo ist die junge Frau, die an einem kalten Wintermorgen im Februar 1963 Arm in Arm mit Bob Dylan eine schneevermatschte Straße entlang spazierte: Ein Foto dieses hübschen Paars zierte wenig später das Cover der Platte "The Freewheelin Bob Dylan". Rutolos Familie war einst aus Italien in die Neue Welt eingewandert; sie wächst in Queens auf, politisch links sozialisiert, der Vater ist in der Gewerkschaft und arbeitet nebenher als Illustrator.

Kunst und Politik spielt in dieser Welt eine große Rolle, und für Suze gibt es keinen Zweifel, dass sie sich nicht mit etablierten Rollenmustern arrangieren würde. Dylan, ein Kleinstadt-Gewächs, ist fasziniert von dem Kosmos, der ihm auch durch Suze Rotolo eröffnet wird. Probleme zwischen den beiden entstehen, als Dylans Ruhm über das Village hinauswächst, als er zur Heilsgestalt einer ganzen Generation zu werden droht. Rotolo möchte nicht nur das Mädchen an seiner Seite sein. Sie entwickelt früh ein feministisches Bewusstsein und eigene künstlerische Ambitionen. Nicht lange, da gehen Bob und Suze getrennte Wege.

Ihr Erinnerungsbuch würde es zwar ohne den Mythos Dylan nicht geben – aber es trägt auch nicht zur Legendenbildung bei. Tatsächlich versucht Rotolo mit ihrem Buch, das Lebensgefühl einer Umbruchszeit und die von kommerziellen Erwägungen noch kaum berührten künstlerischen Energien zu bannen.

[Ulrich Rüdenauer]

* Suze Rotolo: Als sich die Zeiten zu ändern begannen. Erinnerungen an Greenwich Village in den Sechzigern. Aus dem Englischen von Paul Lukas. Parthas Verlag. 375 Seiten. EUR 24.–

 

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