Amerikanischer Alptraum von Philipp Meyer

Wer unbedingt weg will und sich tatsächlich auf den Weg macht, sollte sich eigentlich glücklich schätzen. Denn zurück bleiben die, die das nicht schaffen. Weil sie sich selbst im Wege stehen oder weil das Schicksal ihnen in die Quere kommt. So wie Poe, dem besten Freund Isaacs. Er wird einen Mord auf sich nehmen, den er nicht begangen hat. Er tut es für Isaac. Aus der Traum.

Autor Philipp Meyer hat Poe und Isaac als gegensätzliche Charaktere von unterschiedlicher Statur entworfen: Hier der muskulöse, durchaus gewaltbereite ehemalige Highschool-Footballstar, dort der filigrane, hochintelligente, sensible Isaac. Isaac entstammt einem reichlich kaputten White-Trash-Elternhaus. Nach dem Selbstmord der Mutter mag er sich nicht länger dem Hass seines tyrannischen Vaters aussetzen. Bloß weg hier.

Angesiedelt ist "Rost", das von der amerikanischen Presse hochgelobte Debüt des 1974 geborenen Autors, in der Region Pittsburg. Seit dem brutalen Niedergang der Stahlindustrie ist diese Region, wie man weiß, das Absatzbecken der Hoffnungslosen, die Negativfolie für den amerikanischen Traum. Man kann Isaac fast zu gut verstehen. Kalifornien ist sein gelobtes Land, dort will er hin. Doch wie in den großen existenziellen Romanen Cormac McCarthys oder Denis Johnsons folgt für den Reisenden bald eine Ernüchterung auf die nächste.

"Rost" ist ein düsteres Sittengemälde, passend zur Zeit: ein Kommentar zur aktuellen Krisenlage Amerikas gewissermaßen. Gleichwohl ist es ein Buch der Hoffnung und der Freundschaft, packend erzählt und mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben.

 

[Michael Saager]

 

Philipp Meyer: Rost. Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Klett-Cotta. 464 Seiten. € 22.95

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