Der Comedian aus Frankfurt im MEIER-Interview

Er hat derzeit richtig Lust auf die Bühne – sogar so große, dass er schon mal fröhlich vor sich hin stöhnt. Deutschlandweit bekannt ist der 37-Jährige seit der TV-Show „Was guckst Du?!“. Im November präsentierte Kaya Yanar in Mannheim sein Programm „Live und unzensiert“. Im Interview spricht der Comedian aus Frankfurt über Sarrazin, David Hasselhoff und Terroristenvideos aus Holland.

MEIER Im letzten MEIER-Interview 2008 haben Sie erzählt, dass sogar der Bundesgrenzschutz am Flughafen bei Ihrer Einreise mit Ihnen witzelt – und schon mal sagt: „Du komm’s hier net rein!“ Wurde das in der Zwischenzeit getoppt?

Kaya Yanar Sarrazin hat das neulich zu mir gesagt, ich antwortete: Junge, ich habe die Ethno-Comedy erfunden, lange vor dir ...

MEIER Sagen Sie selbst eigentlich noch oft „Was guckst Du?!“ und „Du komm’s hier net rein!“?

Yanar „Was guckst Du?!“ sage ich immer noch am Pissoir, wenn einer neben mir zufällig mal rüber guckt. „Du komm’s hier net rein!“ sage ich regelmäßig meinem Zahnarzt, wenn ich den Mund aufmachen soll.

MEIER Sie sind seit mehr als zehn Jahren als Comedian unterwegs. Wie haben Sie sich in dieser Zeit verändert?

Yanar Ich bin bescheuerter geworden, ehrlich. Ich dachte, man wird altersmilde oder gelassener. Aber ich werde eher durchgeknallter und habe immer mehr Bock auf meinen Beruf. Ich liebe es zu touren, im Januar gibt es eine neue TV-Show und mein erstes Buch. Es wird „Made in Germany“ heißen und nicht nur extrem lustig, sondern auch sehr informativ.

MEIER Wie hat sich das Land aus Ihrer Sicht verändert?

Yanar Deutschland ist lachbereiter geworden, dank der Finanz- und Eurokrise. Schon Charlie Chaplin sagte: Wer das Leben zu ernst nimmt, braucht eine Menge Humor, um es zu überstehen.

MEIER Muss sich Deutschland eigentlich mit Sarrazin beschäftigen? Und müssen Sie selbst? Ist der Mann Comedy-relevant?

Yanar Jeder bildet sich selbst seine Meinung. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber aufgrund der Genetik Rückschlüsse auf den menschlichen Charakter zu ziehen, finde ich gefährlich. Comedy kann hier etwas leisten, aber diese Themen überlasse ich dem Kabarett, ich möchte nicht aus einer Verteidigungsposition Comedy machen, sondern aus einer Begeisterung und Liebe für gute Unterhaltung.

MEIER Apropos „relevant für Comedy“ und weil Sie ja nach Mannheim kommen: Wie Comedy-relevant ist für Sie die Kachelmann-Geschichte?

Yanar Gar nicht. Einzelne Prominente interessieren mich nicht, solche Ereignisse kommen und gehen. Mich interessiert der Mensch – und seine Macken. Zum Beispiel: Warum er im Sitzen beim Einschlafen so mit dem Kopf umherschwingen kann ohne aufzuwachen.

MEIER „Live und unzensiert“ heißt das aktuelle Programm. Ist in Mannheim auch die „Natürlich liege ich unten ...“-Stöhn-Nummer dabei?

Yanar Klaro ...

MEIER Wie kamen Sie auf diese Nummer?

Yanar (lacht) Sie ist einfach wahr! Das ist die beste Comedy überhaupt. Okay, die beste für das Publikum. Für mich ist das eher doof. Aber egal, ich unterhalte lieber mein Publikum, auch auf meine Kosten.

MEIER Auf welche Höhepunkte kann sich das Publikum in Mannheim noch freuen?

Yanar Zum Beispiel darauf, dass ich keinen Alkohol vertrage. Ich werde auch total schnell betrunken. Wenn ich Komasaufen machen will, dann gurgele ich eine Runde mit Odol-Mundwasser – das reicht! Eine Mon-Chéri-Praline – und ich falle um! Wenn David Hasselhoff mich anhusten würde, dürfte ich nicht mehr Auto fahren.

MEIER Okay, David Hasselhoff kommt hoffentlich so schnell nicht vorbei ... Was gibt’s noch?

Yanar Ich gucke unheimlich gerne DVDs in anderen Sprachen. Aber nicht, um zu lernen, sondern um mich zu amüsieren. „Harry Potter“ auf Holländisch – der Hammer! „Härri Pottjes un det Fierekelkje“ – saulustig!

MEIER Wie klingt Holländisch?

Yanar Wie betrunkenes Deutsch. Holländisch ist eine ungemein witzige Sprache. Ich kann Holländisch einfach nicht ernst nehmen. Ein Horrorfilm auf Holländisch – für mich eine undenkbare Kombination. Oder noch besser: ein Terroristenvideo auf Holländisch. Statt in einem Erdloch bei Kabul hockt Osama bin Laden vor einer Windmühle: „Ik hab een Bombje, een lekker Bombje. Ik hab een Dynamitje, und wenn du dat nit maakst, dann druck ik op dat Knöpje ...“

MEIER Will das Publikum eher die Klassiker sehen – oder lieber etwas Neues?

Yanar Beides. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gerne die Leute Klassiker sehen wollen. Das ist wie ein guter Wein, der wird immer besser. Aber ich mische auch kräftig, damit es abwechslungsreich bleibt. Man wird viel Neues sehen.

Interview: Dimitri Taube

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