Palatia Jazz
Am 7. Mai eröffnete Norma Winstone das Palatia-Jazz-Festival mit einem Indoor-Konzert in der Gedächtniskirche zu Speyer. Insgesamt 17 Konzerte hat Festivalleiterin Suzette Yvonne Moissl bis zum 6. August organisiert. MEIER hat mal in Deidesheim nachgefragt.
Meier: Frau Moissl, man hört ja häufiger den Vorwurf, dass das Programm von Palatia Jazz etwas zu sehr dem Mainstream verpflichtet sei und auf Nummer Sicher und die Big Names baue. Auch in diesem Jahr finden sich Jan Garbarek, Manu Katché und Incognito in Ihrem Programm. Was antworten Sie den Kritikern?
Suzette Yvonne Moissl: Raten Sie bitte einmal, welches Konzert bislang im Vorverkauf am stärksten nachgefragt wird!
Meier: Jan Garbarek? Oder mittlerweile doch eher Rebekka Bakken?
Moissl: Nee, nee! Das Konzert der Jan Garbarek Group in der Klosterruine Limburg Ende Juli. Was soll ich tun? Soll ich die offensichtlichen Interessen des Publikums missachten und stattdessen pädagogisch wertvoll ein Avantgarde-Konzert anberaumen? Die Limburg ist ein schöner, aber besonders großer Spielort. Wenn da dann nur 30 Leute kommen, ist die Atmosphäre hin. Also ...
Meier: Ich wollte eigentlich auch darauf hinaus, dass im Programm 2010 durchaus einige Konzerte zu finden sind, die das Risiko eingehen, dass das Publikum Lust auf Entdeckungen hat. Ich denke da an das Gerald Clayton Trio, das Portico Quartet oder insbesondere die Hekselman Klampanis Janke Group. Was verbirgt sich denn dahinter?
Moissl: Diese junge Band haben mir Freunde aus New York ans Herz gelegt. Das sind drei junge Musiker: Bodek Janke ist ja auch in der Region mittlerweile ein bekannter Name, der hat gerade den Solistenpreis beim Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim gewonnen und war vor zwei Jahren Landesjazzpreisträger Baden-Württembergs. Janke hat in New York den israelischen Gitarristen Gilad Hekselman und den griechischen Bassisten Petros Klampanis kennengelernt. Man war sich sympathisch, und jetzt spielt man zusammen. Ich war ganz begeistert von diesem sehr weltoffenen und virtuosen Trio und fand, dass das genau der richtige Act für das intime Konzert in der Zwölf-Apostel-Kirche zu Frankenthal.
Meier: Da kaufen die Zuschauer aber die Katze im Sack. Das heißt, sie haben sich das Vertrauen des Publikums erarbeitet und können nun experimentieren?
Moissl: Wir sind über die Jahre sicher etwas mutiger geworden. Man darf allerdings nicht vergessen, dass sich Palatia Jazz nicht an ein großstädtisches Publikum richtet. Unser Publikum ist bereit, sehr weite Anfahrtswege auf sich zu nehmen, weil das Festival mehrere Erlebnisbereiche kombiniert. Das ist die Gelegenheit, sehr schöne, anspruchsvolle Musik zu genießen. Die Konzerte finden zudem an sehr attraktiven Orten statt. Wenn man einen Spielort wie die Limburg nicht füllen kann, beschädigt das nachhaltig die Atmosphäre. Aber es gibt ja auch andere, intimere Orte, wo man dann auch mal ein paar Risiken eingehen kann.
Meier: Im Juni kommt Ihnen die Fußball-WM ins Gehege. Abgesehen von Konzert mit Juliette Greco ist dann Festivalpause.
Moissl: Wir müssen wirtschaftlich denken. Wir arbeiten mit 14 Kommunen zusammen, die allesamt das legitime Interesse an einer erfolgreichen Veranstaltung haben. Da muss man natürlich versuchen, entsprechenden Konkurrenzveranstaltungen möglichst aus dem Weg zu gehen.
Meier: An Pfingsten dann wie gewohnt das Festival im Festival im Herrenhof in Neustadt-Mußbach?
Moissl: Richtig! Das ist fast schon Kult, weil an diesem langen Wochenende Palatia Jazz eine Allianz mit dem „Markt der Genüsse“ eingeht. Da kann man tagsüber regionale und internationale Produkte verkosten und abends dann noch internationalen Spitzenjazz mit den Pianisten Roberto Fonseca, Thierry Lang und Jacky Terrasson genießen.
Meier: Sozusagen: ein Rundum-Wohlfühl-Programm, oder? Gibt es sonst noch Neuerungen in 2010.
Moissl: Unser neuer Spielort ist die Wartenberger Mühle. Das Ensemble dort wurde erweitert durch den Ausbau des hinteren Parks, wo auch eine kleine Seebühne steht. Dort wird Simphiwe Dana ihr neues Programm vorstellen, auf das ich sehr gespannt bin.
Meier: Haben Sie eigentlich ein ganz persönliches Highlight im Programm?
Moissl: Ja, Randi Tytingvag. Als ich deren Platte hörte, dachte ich spontan: endlich mal eine Sängerin mit Persönlichkeit und Stil, die ganz und gar frisch klingt. Die Norwegerin ist in ihrer Heimat bereits ein etablierter Star und spielt in derselben Liga wie Rebekka Bakken. Aber hierzulande müssen wir sie unserem Publikum erst noch vorstellen. Das ist eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue.
Interview: Ulrich Kriest (MEIER 5/2010)




