"De Pälzer" im MEIER-Interview

Er ist Kabarettist, Musiker und ein begnadeter „Schnuudemacher“: Ramon Chormann, „De Pälzer“ aus Bischheim bei Kirchheimbolanden, geboren 1972. „Schnuudemacher“ heißt auch sein aktuelles Programm. Im Mai ist er damit in Mannheim zu Gast. Im MEIER-Interview verrät er, warum er auf der Bühne Pfälzisch redet und was es mit der Schluckmuskelüberfunktion auf sich hat.

Meier: Was bedeutet „Schnuudemacher“?

Ramon Chormann: Ich beobachte, wie die Leute in verschiedenen Alltagssituationen „Schnuude“ machen – heißt also: Gesichter ziehen, Grimassen schneiden. Schnuud ist ja nicht nur der Mund an sich, sondern die ganze Fratz‘.

Meier: An welche Situationen denken Sie?

Chormann: Typische Anlässe sind: Wenn sich Frauen schminken. Oder: Wenn ältere Männer auf dem Supermarkt-Parkplatz rückwärts einparken. Toll, was die da für Schnuude machen, wenn sie sich in ihrem Auto nicht richtig bewegen können. Interessant ist es außerdem, Leute beim Überlegen zu beobachten. Unglaublich, was die alles mit der Zunge anstellen. Und mit der Lippe. Oder wenn jemand erstaunt ist … Oh? Hä? Hm?

Meier: Auf der Bühne fragen Sie: „Wer issn do jetzert eischendlisch bleed?!“ Und? Wer ist blöd? Wie lautet Ihre Antwort?

Chormann: Genauso wie im Lied. Es gibt dazu einen Song von mir – „Bleed“. Darin heißt es: „Es gebt Leit, die sinn bleed, un annere Leit sinn noch viel bleeder, doch so ganz klaa bissche bleed is doch werklisch jeder ...“ Damit will ich sagen: Eigentlich ist doch jeder irgendwie blöd, jedenfalls in manchen Situationen.

Meier: Sie machen Mundart, sprechen Pfälzisch auf der Bühne. „Funktioniert“ Pfälzisch besser als Hochdeutsch? Was sind die Vorteile?

Chormann: Bei Mundart muss ich mich nicht verstellen. Weil: Die Pälzer kennen mol ä paar Sätz‘ Hochdeitsch redde, awwer irschendwann brischt es schlagartisch ab ... Dann merkt man ja doch, dass er aus „de Palz“ kommt. Auch bei mir. Spätestens beim „s-c-h“. Deshalb will ich auf der Bühne gar nicht erst versuchen, Hochdeutsch zu reden. Do werd‘ Mundart geredd‘!

Meier: Ein Programm auf Hochdeutsch ist wirklich nicht denkbar?

Chormann: Kann ich mir gar nicht vorstellen. Da müsste ich ja richtig neu sprechen lernen ... (lacht) Oder eine Rhetorikschule besuchen ... Nee, also: Des kann isch net! (lacht)

Meier: Sie gehen mit Anzug und Fliege auf die Bühne. Bei Ihnen kann man auf der Homepage nachlesen: Sie seien das Gegenteil von dem, was man sich generell unter einem Pfälzer vorstellt – „meist hemdsärmelig, bequem, modisch schrebergartenkompatibel“, außerdem steht da was von „Feinrippteil zur Trainingshose“. Ist das wirklich so?

Chormann: Das ist eher die Witzfigur-Darstellung, so nach dem Motto: Der Pfälzer hockt den ganzen Tag auf der Bank und trinkt Wein. Aber wir sind ja mittlerweile im Jahr 2010 und nicht noch irgendwo um 1950 rum.

Meier: Warum Anzug und Fliege?

Chormann: Weil ich denke: Das passt zu Kabarett. Außerdem mache ich ja in meinem Programm Musik, begleite mich am Klavier. Ich finde, da sollte ich gut angezogen sein.

Meier: Sie sagen, in puncto Albernheit und Improvisation ist Helge Schneider ein Vorbild. Wie viel improvisieren Sie selbst?

Chormann: Sehr viel. Ich bin auch immer im Dialog mit dem Publikum. Ich versuche oft durch längere Sprechpausen Reaktionen zu provozieren, um sie ins Programm einzubauen. Interessant wird‘s immer, wenn etwas Ungeschicktes passiert, wenn etwa ein Glas umfällt. Oder: Wenn jemand etwas reinruft.

Meier: Was machen Sie dann?

Chormann: Oft tue ich so, als ob ich verärgert bin und rufe dann: „Du musch‘ jetz grad noch mit mir aafange ...“ Tolle Reaktionen kommen auch, wenn ich über meine Schluckmuskelüberfunktion spreche.

Meier: Schluckmuskelüberfunktion?

Chormann: Das bedeutet, dass ich nicht zu viel Alkohol trinke, sondern nur zu schnell. Und während ich darüber spreche, erkläre ich auch, dass es für „Vollgesoff sein“ viele verschiedene Ausdrücke gibt. Ich frage auch immer, ob das Publikum noch andere Ausdrücke kennt.

Meier: Und?

Chormann: Es sind schon Sachen zurückgekommen, da hab‘ ich mich beinahe selbst kaputtgelacht. Einer hat mal gesagt: „Ich bin so müde ...“ Also, wenn man mal „verhindert“ ist, ruhig morgens den Chef anrufen und sagen: „Ich kann nicht kommen, ich war gestern Abend so müde ...“

Interview: Dimitri Taube (MEIER 5/2010)

29.5. Capitol, Mannheim, 20 Uhr

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