Politik scheint erst mal aufs Private bezogen zu sein – zumindest in der Welt der Neo-Soul-Queen Erykah Badu, die auf diesem Album andere Töne anschlägt als auf dem grandiosen Vorgänger: Statt „Soldier“ singt sie jetzt vom „Window Seat“ und konstatiert „Out My Mind, Just In Time“, immerhin zehn Minuten lang. Aber abgesehen von der Kehre ins Private ist dieses Album für mich das musikalisch interessanteste Hip Hop-Album der letzten Zeit. Keine Zuhälterfantasien, keine Autotune-Effekte, kein ironisches Posing, sondern Funk mit jazzigen Untertönen, originellen Arrangements, Humor („Do you have the number of the other bassplayer?“) und pulsierenden Rhythmen. Künstlerisch wird hier mit gewohnt großem Löffel ausgeschenkt. Wer das Booklet aufmerksam liest, stößt nicht nur auf vertraute Namen wie Questlove, Madlib oder James Poyser, sondern auch auf Doug Wimbish, Paul McCartney, Roy Ayers oder David Sancious, weil alle Samples sorgfältig gelistet sind. (Universal Motown) UK (MEIER 5/2010)




