New-Economy-Satire von Walter Kirn

Von der amerikanischen Presse als bissige Satire gefeiert, war dem Roman hierzulande kaum Erfolg beschieden. Was nicht zuletzt am wenig verkaufsfördernden Titel "Mr. Bingham sammelt Meilen" (2003) gelegen haben mag. Anlässlich der Verfilmung durch Jason Reitman ("Juno"), mit George Clooney in der Hauptrolle, wagt der Verlag einen weiteren Versuch – mit dem ungleich geschmeidigeren Originaltitel: "Up In The Air".

Ryan Bingham ist ein ausgesprochener Vielflieger, ein gut situierter Yuppie, der von Termin zu Termin jagt. Er ist der Mann, der frisch wegrationalisierten Mitarbeitern größerer Firmen Mut spenden soll. Für diese Motivationsspritzen bezahlt ihn die jeweilige Geschäftsleitung. Die positive Gehirnwäsche verringert das Risiko einer Klage. Es wundert wenig, dass Binham seinen Job hasst. Einerseits. Andererseits schätzt er das Leben auf der Überholspur in dieser hochdynamischen Airworld flüchtigster Kontakte, lakonischer Unverbindlichkeiten und stinkreicher Arschgeigen. Möglicherweise ist es die Zerrissenheit des eloquenten, fast schwatzhaften, dabei aber immer hochreflektierten Ich-Erzählers, die beim Lesen emotionale Nähe entstehen lässt, obwohl er selbst kaum jemanden an sich heranlässt.

Der Autor verstrickt seine Hauptfigur in immer größere Schwierigkeiten, wobei der Verdacht besteht, dass diese paranoider Art sind. Oder ist da wirklich eine hundsgemeine Verschwörung gegen ihn im Gange? Ist gar sein Meilenkonto in Gefahr? Keine Kleinigkeit, denn die Flugmeilen – wie besessen versucht Bingham, die Millionengrenze zu erreichen – bedeuten ihm bald so viel wie das Leben selbst. Traurig, fürwahr. Kirn lässt seinen Helden lange zappeln und den Roman gerade nicht auf ein spektakuläres Finale hinauslaufen.

[Michael Saager]

* Walter Kirn: Up In The Air. Kiepenheuer & Witsch. 320 Seiten. EUR 8.95

 

Kommentieren

Meine Informationen merken

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


Kann ich nicht lesen, neues Bild bitte.


Kommentare werden umgehend geprüft und erst dann freigeschaltet.

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel

Teilen |