Nie Teil einer Szene

Der 1982 in Biberach geborene Kopf des Projekts „Get Well Soon“ hat an der Mannheimer Popakademie studiert, feiert mit seinem neuen Album „Vexation“ gerade spektakuläre Erfolge und kommt zu „Stereo Mondo“. Grund genug für ein Gespräch.

 

Meier: Vorweg - Gratulation zum sensationellen Cover deines zweiten Albums.

 

Konstantin Gropper: Ich habe das Bild als Anzeige einer Ausstellung des Künstlers in einem Kunstmagazin entdecken. Es hat mich unmittelbar angesprochen.

 

Meier: Es erinnert mich an die Filme von Jan Svankmeier, von dem ja auch etwas in der Ludwigshafener Surrealismus-Ausstellung zu sehen ist.

 

Gropper: Das Bild hat auch einen filmischen Bezug. Es ist ein übermalter Still aus einem Stummfilm, wo sich ein Mann nach einer Tortenschlacht die Creme aus dem Gesicht wischt.

 

Meier: So kam das bei mir nicht rüber.

 

Gropper: Das fand ich gerade interessant. Vor einem Comedy-Hintergrund entsteht ein Horrorbild.

 

Meier: Liest du eigentlich die Kritiken, die zu deinem neuen Album erschienen sind?

 

Gropper: Nein. Aber ich bekomme sie natürlich erzählt von Leuten, die sie gelesen haben.

 

Meier: Ich sehe zwei Tendenzen der Kritik. Die einen nehmen all die im Promoblatt reichlich aufgezählten Referenzen (Satie, Seneca, Sloterdijk) und schreiben sie quasi aus als „Meisterwerk“. Die anderen nehmen genau dasselbe Material und rufen: „Gott, ist der Typ prätentiös!“

 

Gropper: Nach dem Überraschungserfolg des Debüts war schon klar, dass da was kommen würde. Andererseits: würde meine Musik nicht polarisieren, hätte ich was falsch gemacht, oder? Die Musik ist ja nicht auf größtmögliche Gefälligkeit aus. Und die Themen meines neuen Albums habe ich nicht gewählt, weil ich die Feuilletons beeindrucken wollte, sondern weil ich mich dafür schlicht interessiere. Das ist doch legitim, finde ich!

 

Meier: Du bist einer der Vorzeigeabsolventen der Popakademie, wurdest aber vor einiger Zeit vom „Rolling Stone“ dahingehend zitiert, dass du der Popakademie kritisch bis distanziert gegenüberstehst. Was sagst du dazu?

 

Gropper: Ich kann dazu nur sagen, dass die Popakademie in der Presse einen ambivalenten Ruf genießt und dass Journalisten auch mal in das, was man sagt, etwas hineininterpretieren, was eher ihrer eigenen Meinung entspricht. Und im Zusammenhang mit der Popakademie gibt es immer noch dieses prinzipielle Unbehagen, gepaart mit der Unkenntnis, was da eigentlich konkret gemacht wird.

 

Meier: Wobei du ja gleichermaßen für die alte und die neue Schule stehst. Der Junge vom Dorf, der Platten hört, selbst kreativ wird, sich in der Popakademie einschreibt und dann auch noch Erfolg hat.

 

Gropper: Eben! Und an der Popakademie habe ich viel darüber gelernt, wie man als Musiker lebt. Wie funktioniert die Musikbranche? Verlagsrecht! Steuererklärungen! Alles mit drin!

 

Meier: Habt ihr denn auch Poptheorie gemacht?

 

Gropper: Musikgeschichte! Andererseits: Wenn man zunächst lernt, wie man etwas vermarktet und dann erst, wie man etwas macht, dann steckt da ja schon Poptheorie drin, finde ich.

 

Meier: Oberschwaben, Mannheim, Berlin – als nächste Station hätten sich London, New York, Shanghai oder Mali angeboten. Letzteres die hippe Damon-Albarn-Variante.

 

Gropper: Oder in die Wüste ziehen und nur noch Bilder malen – wie Captain Beefheart!

 

Meier: Aber du bist jetzt nach Mannheim zurückgezogen! Superhippes, antizyklisches Umzugsverhalten.

 

Gropper: Na ja, ich bin nicht so abhängig vom Umfeld, wenn ich arbeite. Außerdem bin ich derartig viel unterwegs, dass es ziemlich egal ist, wo ich wohne. Die Pop-Synergien, die man so gerne mit Berlin verknüpft, werden etwas überschätzt. Außerdem habe ich mich auch nie als Teil einer Szene gesehen.

 

Interview: Ulrich Kriest (MEIER 3/2010)

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