Raver-Roman von Jürgen Teipel

Ein verspäteter Nachhall auf die Dekade der Raver, eine Dreiecksgeschichte unter der sengend-heiligen Sonne Mexikos, ein im Pseudo-Slang der Jugend verfasstes Buch einer ebensolchen Verzauberung: In "Ich weiß nicht" von Jürgen Teipel werden drei junge Menschen auf DJ-Tour nach Übersee geschickt. Montezumas Rache ereilt sie nicht, aber zunächst doch allerhand anderes Ungemach – Eifersucht, schlechte Vibrations und ein kleiner Reitunfall. Aber mehr als von diesen Unbilden erschüttert, werden sie umgepustet von der Schönheit des Erlebten, dem Zusammenklang von Raum, Zeit und Gefühl, von der Liebe, die plötzlich alle ereilt. Tere, Tommy und der Erzähler sind zwar einfach nur auf einer Dienstreise zu Diskussionspanels, Clubs und einem Festival in Mexico City, aber sie finden etwas Höheres: Erleuchtung, oder wie man das nennen will.

Jürgen Teipel, Journalist, Konzertveranstalter und DJ, bekannt geworden mit seinem Doku-Punk-Roman "Verschwende deine Jugend", hat für seine Figuren eine Kunstsprache ersonnen. Sie erzeugt, durchdrungen von Banalität, Naivität und Begeisterungsrhetorik, einen Sog und eine Wirkung: Die Unmittelbarkeit des Geschehens wird nachgeschaffen in einer fließenden, Mündlichkeit suggerierenden Schwurbelsprache. Und diese Unmittelbarkeit führt einen auch zum Kern des Buches. Eigentlich geht es darin um Entäußerung und Selbstfindung. Die Mischung aus Transzendenzhoffnung und Besänftigungspotenzial, die in diesem Buch steckt, ist enorm. So viel Erbauung war lange nicht mehr.

[Ulrich Rüdenauer]

*Jürgen Teipel: Ich weiß nicht. DuMont. 120 Seiten. EUR 14.95

 

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