Der Berufs-Hesse im MEIER-Interview

Alltag absurd darstellen – gut, okay, das können auch andere. Aber wie man das richtig lustig hinbekommt, zeigt das hessische Comedy-Duo Badesalz. Gerd Knebel und Henni Nachtsheim sind nämlich Profis. Dabrauchemergarnetdrüberredde. Im Juni 2010 spielten sie in Bürstadt ihr neues Programm „Bindannda!“. Was sie sich dabei bloß wieder gedacht haben? – Henni Nachtsheim verriet es schonmal vorab im MEIER-Interview.

MEIER: Badesalz ist Kult, hat eine große Fangemeinde, für viele sind Gerd Knebel und Sie die genialsten Hessen.

Henni Nachtsheim: So ganz stimmt das aber nicht ... Jedenfalls wurden mal vor ein paar Jahren die beliebtesten Hessen aller Zeiten gewählt – ich glaube, wir kamen da auf Platz 20. Auf Platz eins landete Goethe, und dann kam schon Rudi Völler (lacht). Der fand das übrigens nicht ganz so witzig ...

MEIER: Haben Sie selbst einen „Lieblingshessen“?

Nachtsheim:Das war eindeutig der Kabarettist Matthias Beltz, der mit 57 leider viel zu früh gestorben ist. Wir lesen immer noch seine Bücher und Texte, er ist immer noch wichtig für uns. Eine Zeit lang war’s auch Joschka Fischer. Wir haben ihn früher ganz gut gekannt, haben zusammen Fußball gespielt. Aber er ist ja in ganz anderen Kreisen gelandet. Ihn kann man eigentlich nicht mehr nennen.

MEIER: Im Juni sind Sie zwei Mal in Bürstadt zu sehen, spielen dort das neue Programm „Bindannda!“. Worum geht’s?

Nachtsheim: Die Geschichte dreht sich um zwei Typen: einen mittelständischen Unternehmer, den ich spiele, und einen Aussteiger, den Gerd Knebel darstellt. Die beiden treffen sich an einem eigenartigen Ort und müssen irgendwie miteinander klarkommen.

MEIER: Die Frau des Unternehmers schenkt ihrem Mann einen Paragleitschirmflug – damit fängt alles an.

Nachtsheim: Genau. Der Flug läuft aber nicht so wie geplant, das Ding verhakt sich, der Typ fliegt stundenlang durch die Gegend und muss dann notlanden – in einem völlig abgelegenen Waldstück. Sein Handy hat keinen Empfang und weit und breit ist kein Mensch zu sehen, außer diesem Aussteiger. Er nennt sich Noah, lebt in einer Hütte und hat schwer einen an der Waffel.

MEIER: Was ist in diesem Programm anders als in den Geschichten, die Sie bisher auf der Bühne erzählt haben?

Nachtsheim: Die Konstellation ist neu. Wir haben schon viele Geschichten erzählt, in denen sich die Figuren auf der Bühne kennen. Jetzt bringen wir zwei Figuren zusammen, die sich zunächst nicht kennen. Es hat ein bisschen was von „Hessisch‘ Mystery“.

MEIER: Inwiefern?

Nachtsheim: Die Geschichte ist an manchen Stellen dezent angelehnt an Fernsehserien wie „Lost“. Gerd Knebel und ich sind Fans von solchen Serien. Unser Stück ist quasi die hessische Variante von „Lost“ ... Aber man muss die Serie nicht kennen, um das Programm zu kapieren.

MEIER: Sie sagen, Sie wollen keinen gewöhnlichen Comedy-Abend machen. Warum?

Nachtsheim: Stand-Up-Comedy machen alle, auch die Themen sind oft gleich. Das langweilt uns. Wir arbeiten mit anderen Mitteln. Was Stimmung, Bühnenbild und Licht betrifft, orientieren wir uns eher an Theaterstücken. Uns gefällt diese Form.

MEIER: Sie fordern das Publikum auch zum Mitmachen auf, per Youtube. Was hat es damit auf sich?

Nachtsheim: Wir suchen die besten Ideen für einen Schluss. Wenn man sich heute eine DVD anschaut, findet man beim Bonusmaterial häufig einen alternativen Schluss. Sogar bei unserem Kinofilm „Abbuzze!“ gab es das. So ein alternatives Ende suchen wir jetzt auch. Wer das Programm gesehen und eine gute Idee hat, kann das Ganze filmen und dann bei Youtube reinstellen. Drei bis fünf Minuten wären optimal. Die besten Videos wollen wir am Ende der Tour prämieren.

MEIER: Warum ein neuer Schluss? Stimmt was nicht mit dem Ende, das Sie sich ausgedacht haben?

Nachtsheim: Das ursprüngliche Ende war zu kompliziert. Der Typ, der da im Wald landet, kam nicht mehr so richtig raus aus der Nummer. Aber nach einigem Hin und Her und ein paar Korrekturen unsererseits haben wir jetzt eigentlich einen ganz passablen Schluss. Trotzdem sind wir gespannt, was den Leuten noch so alles einfällt.

Interview: Dimitri Taube (MEIER 6/2010)

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