Pharmathriller von William Boyd

Adam Kindred, ein junger, erfolgreicher Klimatologe und Held des neuen Boyd-Romans "Einfache Gewitter", kann sich nur die Augen reiben angesichts der Geschwindigkeit, mit der sein Leben umgekrempelt wird. Zunächst nicht gerade zum Besten, dafür aber zum Erstaunen des Lesers gleich mit, denn die lässige Zwangsläufigkeit, mit der der in London lebende Autor einen Unschuldigen zum einzigen Verdächtigen in einem Mordfall macht, so dass Kindred tatsächlich nichts anderes übrig bleibt, als sich von seinem bisherigen Leben vollständig zu lösen und in den Untergrund zu gehen, das hat erzählerischen Größe, ohne dass der feine Humor auf der Strecke bliebe.

"Einfache Gewitter" ist kein herkömmlicher Thriller, wenngleich es hier sehr wohl um den Kampf eines Einzelnen mit Mächten geht, die sehr viel stärker sind als er. Das Böse hat dann auch einen wohl bekannten Namen: Pharmaindustrie. Schön, dass Boyd mehr will, dass ihm ebenso sehr an der existentiellen Verwandlung Kindreds vom Wolkenforscher zum geschickt agierenden Straßenpenner liegt. So lernt man nicht nur Kindred kennen und schätzen, sondern auch eine charakterstarke Polizistin, einen abgestumpften Söldner, der sich als brutaler Killer verdingt, sowie einen gar nicht mal so unsympathischen Pharma-Boss – möglicherweise selbst ein Opfer dunkler Machenschaften.

[Michael Saager]

 

* William Boyd: Einfache Gewitter. Aus dem Englischen von Chris Hirte. Berlin Verlag. 448 Seiten. EUR 25 .–

 

 

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