Der Singer/Songwriter im MEIER-Interview

„Minor Love“, das neue Album des 29-jährigen Singer/Songwriters aus New York, hat uns wieder prima gefallen. Jetzt kommt Green gleich zweimal in die Region und serviert seine Art des Antifolk.

Vor fünf Jahren erschien ein Buch Martin Büssers über Antifolk: eine reflektierte Liebeserklärung an die Protagonisten dieser offenen New Yorker Szene, die nur halb erzählt gewesen wäre ohne den offenen Mundes in die Welt staunenden Singer/Songwriter Adam Green. Büsser untersucht Antifolk ausgehend von Vorläufern wie den Fugs, David Peel und Beat Happening, herzt das Unfertige und Dilettantische der damals agierenden Antifolker, mag allerdings Adam Greens Musik spätestens seit dem Album „Gemstones“ aus dem Jahr 2005 nicht mehr leiden und schreibt das auch. Ist ja auch ein reichlich glatt poliertes Album, auf dem Green mithilfe großer Gesten zu verschleiern sucht, dass es am überzeugenden Songwriting mangelt.
Umso erfreulicher, dass er auf dem aktuellen Album „Minor Love“ – herausgebracht in einer Zeit, in der niemand mehr über Antifolk spricht – einen überzeugenden Song an den nächsten gereiht hat. Es ist ein sehr persönliches Album, eine lyrische Momentaufnahme von Selbstzweifeln und Trennungsschmerzen. Man hört die angenehm reduziert instrumentierten, einfachen Songs mit ihren überzeugenden Melodien und Greens nach vorn gemischte, ausdrucksstarke sonore Stimme – und denkt fast automatisch an frühe Soloplatten von Lou Reed und Leonard Cohen, oder an die kleinen Meisterwerke von Calvin Johnson. Schön, dass er sich berappelt hat! MEIER hatte die Möglichkeit, Adam Green ein paar Fragen zu stellen, während der durch den Feierabendverkehr Amsterdams huschte.

Meier: Herr Green, täuscht der Eindruck, dass Sie für ihr aktuelles Album nach einem ganz neuen Grundton ihrer Musik gesucht haben?

Adam Green: Nein, das würde ich so nicht unterstreichen. Ich möchte jedoch hinzufügen, dass ich noch für jedes meiner Alben versucht habe, mir neue Stile anzueignen.

Meier: Die Produktionsweise von „Minor Love“ hinterlässt einen privaten, fast schon intimen Eindruck …

Green: Das kann ich nur zum Teil mir selbst zuschreiben. Ich kann jedoch sagen, ein Fan erster Solo-Ausflüge von durch Bands bekanntgewordene Musiker zu sein. Die Plastic Ono Band um John Lennon zum Beispiel liebe ich.

Meier: „Minor Love“ erinnert auch an wenig an Lou Reeds „Transformer“.

Green: Oder eben „Transformer“, genau! Doch all diese Stereophonie-Spielereien, die kann ich nur meinem Produzenten in die Schuhe schieben. Wir haben in L.A. aufgenommen, fern von allen Musikern, mit denen ich sonst zusammenspiele.

Meier: Wer steht auf der Tour mit Ihnen auf der Bühne?

Green: Ach, das sind wieder meine Leute. Mit dem Bassisten Stacey XXX spielte ich schon bei den Moldy Peaches, da nannte er sich allerdings noch Steven XXX. John ‚Whiskey’ Wiley, unser schwer Alkoholkranker, spielt Gitarre. Dr. Funk aus Israel an den Keyboards liebt es hingegen, Nacktkörperkostüme zu tragen. Unser Schlagzeuger nennt sich „Bebop Kid“. Er studiert beim Sohn von Thelonius Monk.

Meier: Lässt sich denn die Privatheit von „Minor Love“ auf die Bühne übertragen?

Green: Das kommt ganz auf die Situation an. Die Doors zum Beispiel sind niemals bei Tageslicht aufgetreten. Ein weiser Entschluss! Denn der Fokus ist natürlich ein ganz anderer, wenn man um Mitternacht auf der Bühne steht und alle Scheinwerfer auf einen gerichtet sind.

Text: CB, Interview: SAA (MEIER 9/2010)

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