Der Sau-Analytiker im MEIER-Interview

Josef Hader kann vieles, ja sogar fast alles. Er ist als Autor genauso erfolgreich wie als Schauspieler und Kabarettist. Und es gibt nicht wenige, die ihn für den besten Kabarettisten im deutschsprachigen Raum halten. Im Februar war der Österreicher anlässlich des Festivals „Carambolage“ in Heidelberg – mit seinem Programm „Hader spielt Hader“. Ein Gespräch über Schweine, Arschlochparaden und Österreicher.

Meier: In Heidelberg waren Sie zuletzt mit dem Programm „Hader muss weg“ ...

Josef Hader: Ja, ich fahre nicht in eine fremde Stadt.

Meier: Ihr Heidelberger Lieblingsklischee?

Hader: Die bravste aller Studentenstädte! Aber das ist eben das Klischee. Ich kann es natürlich nicht richtig beurteilen.

Meier: Beschäftigen Sie sich in irgendeiner Art mit der Stadt, in der sie spielen?

Hader: Ich recherchiere nicht extra, um dann etwas Lokales ins Programm einzubauen, wenn Sie das meinen. Das kann aber passieren, wenn ich nebenbei interessante Dinge erfahre. Gerade jetzt bei „Hader spielt Hader“ ist das möglich.

Meier: Warum?

Hader: Es ist ein klassisches Programm mit Nummern und Liedern, da habe ich dramaturgisch viel mehr Raum für Improvisation als bei anderen Programmen, die bei mir sehr oft dramaturgisch komplett durchkomponiert sind, ähnlich wie Theaterstücke.

Meier: Und wie ist es mit der Sprache? Wenn Sie nach Heidelberg kommen, sagen Sie dann: Okay, mit dem Publikum hier sollte ich besser so sprechen wie Österreicher mit deutschen Touristen?

Hader: Mit deutschen Touristen sprechen Österreicher schon sehr gestelltes Hochdeutsch. Das mache ich in meinem Programm lieber nicht ... Wenn man es gut macht, klingt es immer noch Österreichisch und hat auch die Weichheit der Sprache.

Meier: Die Sprache muss weich bleiben? Warum ist das wichtig?

Hader: Das Kapital, das man als Österreicher hat, ist, dass man ja manchmal viel schlimmere Dinge sagen kann als auf Hochdeutsch – und die dann trotzdem immer noch irgendwie nett klingen. Aber natürlich weiß ich vorher, wie die Dialektlage ist. Und klar: In Heidelberg muss ich als Österreicher ein bisschen schöner sprechen.

Meier: Was ist der rote Faden bei „Hader spielt Hader“?

Hader: Die Figur. Ich habe eine neue Bühnenfigur erfunden. Ich spiele Nummern aus Programmen, die völlig verschiedene Figuren haben. Ich wollte aber keine Arschlochparade machen und diese Nummern genau so spielen, wie ich es in den anderen Programmen mache.

Meier: Sondern?

Hader: Ich hatte eher Lust auf einen Abend mit Club-Atmosphäre – mit einem existentialistischen Entertainer. Da kommt jemand auf die Bühne, fängt an zu plaudern, singt ein Lied, unterbricht es, plaudert wieder, und man hat den Eindruck, es wäre alles improvisiert. Das ist es natürlich nicht.

Meier: In Ihrer Anfangszeit haben Sie ganz groß „Kabarett“ auf das Plakat geschrieben und sehr klein „Hader“, später dann nur noch „Hader“, weil der Name ausreichte. Ist Kabarett nicht interessant genug?

Hader: Nein, ich finde, „Kabarett“ ist ein sehr interessanter Begriff, weil er viele sehr unterschiedliche Dinge beschreibt. Gute wie schlechte. Es kann hohe Kunst sein, aber auch banale Unterhaltung. Und Kabarett kann analytisch, aber auch reaktionär und populistisch sein.

Meier: Mit welchem Kabarett können Sie nix anfangen?

Hader: Mit Kabarett mit billigen Lachern, aber ohne Haltung; also dann, wenn man es sich und dem Publikum bequem macht, wenn nur das dumpfe Gefühl vermittelt wird, alle Politiker sind scheiße. Georg Schramm – der Kollege, den ich am meisten schätze – sagt in seinem Programm: „In unserer Mediendemokratie wird alle paar Wochen eine Sau durchs Dorf getrieben. Dann wird zwar diskutiert, aber es bleibt folgenlos ...“

Meier: „... und irgendwann kommt die nächste Sau.“

Hader: Genau. Der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Kabarett wäre demnach: Der gute Kabarettist analysiert, warum welche Sau gerade durchs Dorf getrieben wird, und der schlechte reitet bloß auf diesen Schweinen.

Meier: Wer macht gutes, wer schlechtes Kabarett? Können Sie Namen nennen?

Hader: (lacht) Das erwarten Sie nicht im Ernst von mir ...

Meier: Wir sind doch unter uns ...

Hader: Na, da müssen Sie immer damit rechnen, dass man als Österreicher völlig konfliktscheu ist, natürlich eine schwere Kindheit hatte und sich sowas nicht antun möchte ... (lacht).

Interview: Dimitri Taube (MEIER 2/2010)

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