... im exklusiven MEIER-Interview

Ach herrje, die Bacon Brothers! Schon wieder so ein Hollywood-Star wie Kevin Bacon, der auch noch einen jüngeren Bruder im Schlepptau hat, um etwas Rock'n'Roll zu spielen. Denkt man! Kennt man! Klar! Moment mal! Kevin Bacon, dieser großartige Schauspieler macht Musik? Warum hat mir bislang niemand davon erzählt? Und Obacht! Michael und Kevin Bacon machen schon immer zusammen Musik. Seit 15 Jahren haben sie sogar gemeinsam eine Band, die es mittlerweile immerhin schon auf sechs Alben und in den USA zu einer beständig wachsenden Fan-Gemeinde gebracht hat. Jetzt kommen sie zum ersten Mal mit Band nach Mannheim. Hinreichend Gründe für eine Telefonkonferenz!

MEIER: Warum habe ich bisher nichts von der Musik der Bacon Brothers gehört?

Michael Bacon: Keine unserer CDs wurde bislang overseas veröffentlicht. Nicht mal in Kanada. Somit ist es auch für uns eine neue Erfahrung Interviews in Europa zu geben. Das fühlt sich etwas komisch an, weil man das Gefühl hat, noch einmal ganz am Anfang zu stehen, obwohl wir ja schon seit 15 Jahren im Business sind. Aber unsere neue Plattenfirma war ganz enthusiastisch, was das Publikum in Deutschland angeht. Na ja, und lieben es live zu spielen.

MEIER: Wie würdet Ihr eure Musik charakterisieren?

Kevin Bacon: Unser erstes Album trug den Titel „Forosoco“. Das war zwar ein Spaß, aber nicht nur: Folk, Rock, Soul, Country. Wir mischen die Stile, je nach dem, was ein Song so braucht.

MEIER: Ältere Semester, die mit Westcoast-Music aufgewachsen sind, werden sich in Eurer Musik sehr zuhause fühlen. Ihr covert  zum Beispiel Tom Waits, James Taylor, die Everly Brothers.

Michael Bacon: Stimmt! Wir haben uns sehr lange mit Songwriting beschäftigt und wurden natürlich davon beeinflusst, was wir selbst gerne hörten und hören. Wie ein Song gebaut ist, der etwas auslöst, der in Erinnerung bleibt. Und James Taylor ist sicher ein ganz großes Vorbild. Wenn man seine Songs hört, weiß man sofort, dass hier von wirklichen, ganz persönlichen Erfahrungen gesungen wird. Selbst, wenn es sich dabei nur um einen Schnappschuss handeln sollte. Das hat uns sehr geprägt. Andere Namen wären Joni Mitchell, Gordon Lightfoot. Und auch Dylan, klar! Zumal mein Bruder immer wieder versucht, seine Songs wie Filme erscheinen zu lassen. Das ist dann mehr Dylan als Taylor.

MEIER: Ein Schauspieler zieht sich auch als Songwriter eine Maske über?

Kevin Bacon: Hmm, das hängt vom Song ab. Wenn ich auf der Bühne stehe und Musik mache, spiele ich definitiv keine Rolle. Das hat wenig bis nichts mit Film zu tun. Das ist eher Theater. Aber wenn man einen Song schreibt, ist es manchmal produktiv, sich in eine andere Person hineinzuversetzen und aus deren Perspektive zu erzählen. Das meint mein Bruder wohl, wenn er davon spricht, dass manche meiner Songs wie kleine Filme sind. Tatsächlich hat diese Art des Songwriting Ähnlichkeit mit der Arbeit des Schauspielers, der sich ja auch den Charakter seiner Figur erschließen muss. Andere Songs handeln dagegen direkt von mir, greifen aber Erfahrungen auf, die ich vor langer Zeit, in den 70er Jahren machte.

MEIER: Auf Eurem Live-Album spielt ihr auch „Footloose“! Nach so vielen ernsthaften und anspruchsvollen Filmrollen immer noch „Footloose“? Warum das?

Kevin Bacon: Wir nehmen uns vielleicht nicht zu ernst. Wir dachten, wir nehmen den Leuten damit gleich mal den Wind aus den Segeln, die uns damit aufziehen wollen. Die rufen: „Hey, du Schauspieler! Wir erinnern uns! Spiel „Footloose!“ Dem wollten wir zuvor kommen nach Motto: „Ihr wollt das? Hier habt ihr es!“ Aber wir spielen mit dem Song, musikalisch. Aber es ist kein wichtiger Song von uns. Und mittlerweile spielen wir „Footloose“ auch nur noch sehr, sehr selten.

MEIER: Euer Live-Album dokumentiert eine Tour mit dem lustigen Titel „No Food Jokes“. Was hat es damit auf sich.

Michael Bacon: Wie Kevin schon sagte: Wir nehmen uns selbst nicht allzu ernst. Aber wenn man mit dem Familiennamen „Bacon“ aufwächst, denken sehr viele Menschen, dass es unglaublich lustig ist, darüber Witzchen zu reißen. Da hielten wir es für eine gute Idee, selbst diese Witzchen zu reißen: „Zweimal Schinkenspeck auf der Bühne!“ Für einen Bacon fängt die „No Food Jokes“-Tour niemals an und hört niemals auf. Das eint uns mit Dylan. (lacht)

MEIER: Die Bacon Brothers stammen aus Philadelphia. So wie die legendären Singer und Songwriter Hall & Oates, die ja auch Rock und Soul mischten. Kennt Ihr die persönlich?

Kevin Bacon: Klar! Wir sind Fans von Hall & Oates. Wir haben sogar schon mit Darryl Hall gespielt. Der hat eine berühmte Show im Internet, in der wir zu Gast waren. Man wird eingeladen und spielt erst ein paar eigene Songs und dann ein paar Songs von Hall & Oates. War cool.

MEIER: Wir sprechen über James Taylor, Gordon Lightfoot, Hall & Oates und die Bacon Brothers. Die Musik, von der wir hier sprechen, ist in Deutschland, zumal unter jungen Leuten, ziemlich unbekannt und auch unpopulär.

Michael Bacon: (lacht) Das haben wir auch schon bemerkt! Aber wir sind keine Retro-Band für Best Agers. Unser erste Platte erschien 1969. Darauf spielte ich Gitarre und Kevin Perkussion. Will sagen: Wir haben das immer schon gemacht. Und als wir die Band zusammenstellten, mussten wir uns klar werden, worin unsere Stärke besteht. Und diese Stärke ist bestimmt nicht die Art von Musik, die die Kids begeistert. Wir sind eine ziemlich altmodische Songwriterband, wo die Songs ihr passendes Arrangement besorgen. Wie Kevin sagte: Wir spielen Forosoco und manchmal auch noch Reggae oder Soft-Rock. Alle möglichen Sachen! Das ist vielleicht unser entscheidender Vorteil: wir müssen uns nicht dem Musik-Business andienen. Wir beiden verdienen unseren Lebensunterhalt nicht als Bacon Brothers. Unsere Musik ist unser Hobby, unsere Leidenschaft. Wir müssen aber niemandem gefallen, müssen keine Kompromisse machen.

MEIER: Kevin hat einmal in einem Interview gesagt: Es gibt nichts Riskanteres, als ein bekannter Schauspieler zu sein und gleichzeitig in einer Rockband zu spielen. Worin besteht das Risiko?

Kevin Bacon: In der Haltung der Leute. Es geht darum, als Band wahrgenommen zu werden. Und nicht als Band, in der ein bekannter Schauspieler mitmischt. Das scheint leider unmöglich zu sein. Andererseits wussten wir, worauf wir uns einlassen. Man kann also nur versuchen, so gut wie möglich zu komponieren, zu performen. Und auf Momente zu hoffen, in denen die Leute vielleicht für ein paar Sekunden vergessen, dass ich auch noch ein Schauspieler bin.

Interview: Ulrich Kriest (MEIER 1/2011)

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