„Chako babbelt wie gedruckt“ - auch im MEIER-Interview

Klar, Weihnachten findet auch in diesem Jahr wieder statt. Diesmal allerdings mit einer „sa-tierischen“ CD von Christian Habekost: „Schäni B‘scherung“. Seit ein paar Wochen ist auch sein neues Buch draußen: „Chako babbelt wie gedruckt“. Im MEIER-Interview spricht er außerdem über Roland Kochs Wechsel nach Mannheim, Stuttgart 21 und „Shopping-Zentner“.

Meier: Westerwelle, Stuttgart 21 und immer irgendwo eine Krise. Ist es im Moment einfach, auf der Bühne zu stehen?

Christian Habekost: Kommt drauf an, was man daraus macht. Zum Beispiel Westerwelle. Der hat ja inzwischen dieselbe Rolle wie früher Angela Merkels Frisur.

Meier: Reicht es nicht schon aus, „Westerwelle“ zu sagen, damit die Leute lachen?

Habekost: So lustig ist er gar nicht. Immerhin ist der Mann gerade dabei, den Ruf des Landes in der Welt zu ruinieren – sofern Deutschland jemals einen guten Ruf hatte.

Meier: Apropos „Ruf ruinieren“: Roland Koch kommt nach Mannheim, als Chef eines Baukonzerns. Eine gute „Vorlage“?

Habekost: Wenn der Lamas Dalai – sein bester Freund – auch noch dabei wäre, dann wär‘s für mich ein richtig tolles Event: der Guru und sein Sünder! Aber so? Alleine macht Koch nicht so viel Spaß.

Meier: Wahrscheinlich wird er auch nicht viel in Mannheim rumsitzen.

Habekost: Das ist anzunehmen. Und wenn ich an die Geschichte in Köln denke, an das Stadtarchiv und die U-Bahn, dann befürchte ich, dass die Sicherheit dieser Firma jetzt nicht unbedingt besser wird.

Meier: Derzeit gehen die Menschen gerne auf die Straße. Etwa gegen Stuttgart 21. Wie demonstriert eigentlich der Kurpfälzer?

Habekost: Bei diesem Protest hält er sich raus. Grundsätzlich ist er natürlich gegen solche Großprojekte, die über die Köpfe der Menschen hinweg beschlossen werden. Trotzdem ist er für Stuttgart 21. Aus regional-patriotischen Gründen: Wenn der Kurpfälzer nach München fahren will, fährt er in Zukunft einfach unten durch und muss von dem ganzen Elend nix mehr sehen.

Meier: Die Stuttgarter haben auf Heiner Geißler als Schlichter gesetzt. Wo sollte Geißler in der Rhein-Neckar-Region schlichten?

Habekost: Wir brauchen keinen Schlichter. Diese ganzen „Wettbewerbe“ zwischen den Städten sind überflüssig. Mir müsse zammehalde! Und wenn der Ludwigshafener jetzt sein eigene „Ring“ hat und sich auch noch e großes Shopping-Zentner hiestellt, jo alla, dann lass‘ ihn doch.

Meier: Wird immer noch zu viel gemotzt?

Habekost: Eindeutig. Wir brauchen jemanden, der sagt: „Zusammen sind wir stark.“ Okay, klingt wie ein Klischee, aber besser „Kli-schee“ als „Kli-hässlisch“.

Meier: Seit Oktober gibt es ein neues Buch: „Chako babbelt wie gedruckt“. Wollen die Leute lieber lesen oder Chako live sehen und hören?

Habekost: Das Live-Erlebnis steht weiterhin an erster Stelle. Aber wer das Buch kauft, kann vieles besser nachvollziehen. Etwa die Mundart-Raps, bei denen du den Rhythmus und die Musik in der Sprache spürst, obwohl gar keine Musik dabei ist.

Meier: Das Buch ist ein „Beschd of“ der vergangenen zehn Jahre. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Habekost: Wenn man jung ist, hechelt man irgendwelchen Zielen hinterher. Das legt sich mit der Zeit – wenn du merkst, was du schon erreicht hast und dass du Abend für Abend hunderte von Leuten begeistern kannst. Auch wenn es pathetisch klingt: Ich bin jeden Tag dankbar dafür.

Meier: Was hat das Jahrzehnt am meisten geprägt?

Habekost: Mir war’s jedenfalls wichtig, gesellschaftliche Missstände auf die Bühne zu bringen. Zum Beispiel den Wahnsinn des Kaputtalismus: Du gehst in den Supermarkt und sollst für deine Frau eine Haartönung kaufen. Dann stehst du vor einem meterlangen Regal und weißt nicht, welche jetzt die richtige ist. Zehn Meter Haartönung! Tausend Sorten! Und das ist nur ein Beispiel für diesen Wahnsinn! Wer braucht das alles?!

Meier: Völlig überraschend soll Weihnachten auch dieses Jahr wieder stattfinden. Nur diesmal mit einer neuen Satire-CD von Chako: „Schäni B‘scherung“.

Habekost: Auf der CD gibt es unter anderem drei neu aufgenommene „Karl & Ottel“-Szenen mit Hans-Georg Sütsch. Auch ein paar Weihnachtslieder sind drauf – im karibischen Style.

Meier: Und Ochs und Esel kommentieren das Geschehen im Stall zu Bethlehem. Können die überhaupt Pfälzisch?

Habekost: Die babbeln hebräisch, aber weil das hier keine Sau versteht, hab ich’s ins Pfälzische übersetzt. Der Ochs sagt als Motzer: „Ah, wie lang woll’n die noch do rumhocke?“ Und der Esel ist erleuchtet: „Der Bu gebbt emol was Bsonneres! En Wunnerheiler odder so.“ Dazu gibt’s auch einen Zeichentrickfilm – zu sehen auf Youtube.

Interview: Dimitri Taube / Foto: Thommy Mardo (MEIER 12/2010)

Alle Termine: chako.de

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