Heidelbergs früherer GMD im Interview
Heidelbergs GMD bis 2004 geht im August mit der „Jungen Kammerphilharmonie Rhein-Neckar“ auf Kanada-Tournee. 2008 gewannen die Mitglieder des Ensembles den Deutschen Orchesterwettbewerb, gerade ist auch die erste CD mit Tschaikowsky, Mozart, Arensky, Barber und Piazzolla erschienen. MEIER wollte mehr wissen.
Meier: Warum sind Sie eigentlich in der Region geblieben?
Thomas Kalb: Das ist ganz einfach: Weil’s mir hier in Waldhilsbach sehr gut gefällt. Und solange unsere Kinder noch zur Schule gehen, möchten wir auch nicht unbedingt umziehen..
Meier: Wie kam es denn zum Kontakt mit der Jungen Kammerphilharmonie?
Kalb: Ich wurde seinerzeit von der „Musik- und Singschule Heidelberg“ gebeten, das damalige „Junge Kammerorchester“ auf den deutschen Orchesterwettbewerb vorzubereiten. Aus vielerlei Gründen wollte die Musikschule das Orchester nach dem Wettbewerb nicht mehr weiterführen. Die Musiker haben deshalb einen Verein gegründet: Die „Junge Kammerphilharmonie Rhein-Neckar“.
Meier: Die Kammerphilharmonie probt aber nicht jede Woche …
Kalb: Nein, wir haben drei bis vier Arbeitsphasen pro Jahr plus Konzerte und Tourneen. Die Leute kommen inzwischen aus ganz Deutschland und sogar Frankreich für die Arbeitsphasen angereist.
Meier: Und es sind jetzt überwiegend Profimusiker?
Kalb: Nein, einige gehen noch in die Schule, die meisten studieren – z.B. Medizintechnik, Psychologie, Theologie oder Romanistik - nur einige wenige Musik. Es sind alles junge Leute, die das Musizieren aus Lust und Laune machen, aber sie hängen sich alle im positiven Sinne professionell rein. Dieser Enthusiasmus macht mir große Freude. Da entstehen tolle Dinge und der Funke springt bei jedem Publikum sofort über.
Meier: Und Sie gehen sogar auf Tournee ….
Kalb: Wir waren gerade auf Einladung des Musikfestivals „Carinthischer Sommer“ in Ossiach und Benediktbeuren. Im August und September geben wir in einer Streicherbesetzung mit 18 Musikern zehn Konzerte in den kanadischen Provinzen Ontario, Alberta und British Columbia. Das Programm ist ungefähr das unserer gerade erschienenen CD.
Meier: Sie arbeiten nur noch frei, haben Sie gar keine Ambitionen mehr auf eine feste Position?
Kalb: Naja, wenn die Hamburger oder Münchner Staatsoper anfragt, würde ich mir das überlegen. Aber im Ernst: wenn, dann müsste ich vor allem die Chance sehen, mit dem Sänger-Ensemble und Orchester gemeinsam etwas Großes entwickeln zu können. Nur für die finanzielle Sicherheit interessiert mich das nicht. Und der normale Theaterbetrieb mit seinen vielen Besetzungsänderungen auch im Orchester kann ein gewünschtes Niveau nicht immer gewährleisten.
Ich kann mir heute aussuchen, wo ich dirigiere – und das finde ich ganz prima. Ich bin beispielsweise regelmäßig in Bregenz beim Sinfonieorchester Vorarlberg. Im Juni gastierte ich in Qatar beim vor kurzem neu gegründeten „Qatar Philharmonic Orchestra“, dessen erstes Konzert Lorin Maazel dirigiert hat und wo ich schon im Dezember wieder mit einem Richard Strauss-Programm eingeladen bin. Bei beiden Orchestern stimmt - genauso wie auch bei der „Jungen Kammerphilharmonie“ und den anderen Orchestern mit denen ich arbeite - die Mischung aus Professionalität, Engagement, Enthusiasmus und Spaß am Musizieren. Das liegt mir am Herzen. Deswegen mache ich Musik.
Interview: Ingo Wackenhut / Foto: Günther Krämmer (MEIER 8/2010)
Info: jkph-rhein-neckar.de




