Dies ist das beste Prince-Album seit über 20 Jahren, seit "Sign O’ the Times" oder "Lovesexy". In gewisser Weise auch eine Best Of der Black Music mit Verweisen zu James Brown, Smokey Robinson, Jimi Hendrix und Funkadelic. Prince reanimiert dafür das Instrumentarium der 80er: Analoge Synthies, trockene Linn-Drums, beißende Gitarrenriffs. "20 Ten" ist die Essenz von Prince aus seinen frühen Tagen, soundmäßig angelehnt an Klassiker wie "1999". Herausragend ist die Schmuseballade "Lavaux": eine Ode an das gleichnamige Schweizer Weinbaugebiet über dem Genfer See, in das er sich bei seinem Auftritt beim Montreux Jazz Festival im letzten Jahr offenbar unsterblich verliebt hat. Wütend klingt dagegen die politisch motivierte, funky Uptempo-Nummer "Act of god" – eine Abrechnung mit Bösmenschen von Saddam Hussein bis hin zu korrupten Bankern. "Sea of everything" kommt im typischen Falsett-Gesang, und auch die anderen Songs wirken wie Déjà Vu-Erlebnisse. Trends finden woanders statt. Hier ist die Alte Schule angesagt, in der es nur einen einzigen Lehrer gibt: Prince. Übrigens: Diese CD lag gratis mit 2,5 Millionen Auflage dem "Daily Mirror" in England bei, in Belgien bei "Het Nieuwsblad" und im deutschen" Rolling Stone". Nirgendwo sonst gibt es die Musik zu kaufen, auch nicht im Netz. Gleichzeitig zwingt Prince Youtube seine Videos zu löschen, verklagt Webseiten, die unaufgefordert seine Fotos veröffentlichen und will trotzdem, dass seine Musik von so vielen Leuten wie möglich gehört wird. Keine Frage: Prince ist zurück. Und er diktiert die Regeln. UTZ (MEIER 8/2010)




