Der Guru-Guru-Drummer-Guru im MEIER-Interview
Konfuze fragt: Ist Mani Neumeier so fit, weil er soviel macht? Oder macht er soviel, weil er so fit ist. Neue Platten, Touren mit diversen Nebenprojekten von Guru Guru und natürlich auch das Finkenbach-Festival, auf dem Guru Guru natürlich dabei sind. Das 40-jährige Bandjubiläum ist längst Historie, aber jetzt naht ein weiterer runder Geburtstag. Am 31. Dezember wird Mani 70. MEIER ist abergläubisch und gratuliert noch nicht.
Meier: Sag mal, lieber Mani, was machst Du an Silvester?
Mani Neumeier: Ich bin auf ein Festival eingeladen in Brisbane in Australien. Also werde ich wohl bei hoffentlich hochsommerlichen Temperaturen meinen 70. Geburtstag feiern.
Meier: 70 Jahre sind kein Pappenstil! Aber ihr seid ja alle noch ganz gut beieinander. Als vor ein paar Tagen ein neues, äußerst gelungenes Album deines neuen Projekts GuruManiAx mit dem Titel „Psy Valley Hill“ in der Post lag, las ich im Begleitschreiben, dass du den Bassisten Guy Segers von Univers Zero auf der „Zappanale“ kennengelernt hast, wo du einen Gig mit Kawabata Makoto von Acid Mother Temple und Daevid Allen von Gong hattest. Ein echtes Psychedelic-Legends-Treffen, was?
Neumeier: Genau. David ist ja noch ein Jahr älter als ich, aber der hüpft noch auf der Bühne herum wie ein Junger. Ich danke Gott oder wem auch immer, dass ich noch spielen kann wie vor 40 Jahren.
Meier: Anlass dieses Gesprächs ist das Finkenbach-Festival, das noch nicht ganz so alt ist, aber auch schon eine feste Institution ...
Neumeier: Ja, ich glaube wir sind die einzige Band in der Welt, die gemeinsam mit einem ganzen Dorf und mit Unterstützung der örtlichen Feuerwehr und des Fußballvereins ein Festival auf die Beine stellt. Das geht jetzt immerhin auch schon seit 27 Jahren, mit kleinen Unterbrechungen. Ach so, lieber MEIER, Schlammschlachten gibt es beim Finkenbach-Festival seit 25 Jahren nicht mehr. Da hat euer Autor nicht gut recherchiert im letzten Monat.
Meier: Schlammschlacht ist doch seit Woodstock schönste Festival-Rhetorik. Das war lustig gemeint.
Neumeier: Na gut! Meistens ämusieren sich die Leute ja auch im Matsch.
Meier: Mitte der 70er Jahre gab es mal einen Fernsehfilm, der davon erzählte, was es bedeutete, als Hippie in der bundesdeutschen Provinz eine Kommune zu gründen. Beim Finkenbach-Festival habt ihr aber ein ins Wasser gefallenes Feuerwehr-Jubiläum finanziell gerettet. Geschäftstüchtige Hippies im Odenwald?
Neumeier: Da sind schon einige Freundschaften entstanden. Mancher sagt, das Festival sei für das Dorf wichtiger als die Kerwe. Guru Guru hat im Laufe der Jahre einiges erlebt. Wir haben ja auch ein paar Plattenfirmen überlebt.
Meier: Die Band war ja eine Art von Durchlauferhitzer für Musiker der regionalen Szene, die es dann zu etwas gebracht haben. Ich denke unter anderen an Uli Krug, Barbara Lahr, Erwin Ditzner …
Neumeier: Auf einem Finkenbach-Festival haben sogar unterschiedliche Guru-Guru-Jahrgänge hintereinander gespielt. Und noch immer spielen wir relativ mühelos manch angesagte Band an die Wand. Liegt natürlich auch am charismatischen Drummer mit seiner Erfahrung. Nein, im Ernst, bei mir spielen die Musiker auch besser.
Meier: Gerade kam aus München eine tolle Platte: Embryo feiert den 40. Geburtstag. Auch andere Krautrock-Urgesteine feiern derzeit runde Geburtstage.
Neumeier: Haben wir schon hinter uns. Guru Guru gibt es seit 1968. Wie auch Amon Düül.
Meier: Aber die spielen kaum noch.
Neumeier: Die haben feste Gagenvorstellungen, darunter geht nichts. Wir sind flexibler, deshalb haben wir etwa 60 Auftritte pro Jahr. Wenn du nur dreimal im Jahr spielst, bist du ja eigentlich keine Band, sondern ein Museumsstück. Wobei ja gerade in Japan auch jüngere Leute einen Draht zu diesem Spirit haben. Von den Japanern, mit denen ich Acid Mothers Guru mache, könnte ich der Vater sein. Aber auch beim Finkenbach-Festival treffen sich mittlerweile drei Generationen.
Meier: Das Programm 2010 bietet nicht nur Guru Guru und Blues von Louisiana Red, sondern auch ein Wiedersehen mit einer frühen Punk-Band.
Neumeier: Genau! Die Strassenjungs, die hatten damals sogar ein paar Hits und waren Wegbereiter für die Toten Hosen. Sie spielen eine ähnliche Musik, nur charmanter, weil nicht so aufgeblasen. Ich freue mich auf die.
Meier: Auf dem Festival-Plakat steht unten „KEINE HUNDE!“. Ich dachte erst, dass sei der Name einer Band.
Neumeier: (lacht) Nee, das ist eine Aktion gegen Hundescheiße! Ich wollte das seit 15 Jahren durchsetzen. War schwierig!
Meier: Du bist kein Hundefreund?
Neumeier: Ich finde Hundegebell das schrecklichste Geräusch der Welt. Schlimmer als ein Pressluftbohrer oder ein schreiendes Baby!
Meier: Glaubst Du, dass die ganzen Aktivitäten dich fit halten?
Neumeier: Wenn ich mit 65 gesagt hätte: „Jetzt bin ich Rentner!“, dann wäre ich bestimmt schon ziemlich eingerostet. Aber so ein gutes Konzert, das fordert einen zwar, aber es ist ein gutes Gefühl, den Leuten Freude zu bereiten.
Interview: Ulrich Kriest (MEIER 8/2010)




