Herbie Hancock ist kein Zyniker, sondern Buddhist und - sofern sich das nicht ausschließt - Humanist. Insofern ist das neue Album keine Abrechnung mit den Hippieträumen eines John Lennon, sondern eher eine Erinnerung und Aktualisierung der Utopie vom „to be as one“ der Menschheit. Es geht um Frieden, Toleranz und globale Verantwortung; gewissermaßen um eine Feier der Buntgeschecktheit und des Besonderen im Allgemeinen. Und deshalb hat sich Hancock Kollegen gesucht, die an seiner Vision teilhaben wollen.
Kaum einmal klaffte eine solche Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung eines Konzepts! Die Idee mag okay sein (wenngleich sie von den objektiven, von Ausbeutung, Unterdrückung, Rassismus, Fundamentalismus und Krieg geprägten Lebensumständen der Mehrzahl der Menschen auf diesem Planeten abstrahiert), aber die Umsetzung ist eitler und auftrumpfender Tand. Hancock karrt internationale Superstars gleich dutzendweise heran, lässt Oumou Sangare "Imagine" singen und "Congotronics" von Konono No.1 dazu spielen. Weil Jeff Beck auch mit von der Partie ist, gibt es auch ein bedeutungsloses E-Gitarren-Solo.
Aufgenommen wurde Stücke von Peter Gabriel, Baden Powell und Vinicius Moraes, Bob Dylan, Sam Cooke, Lennon & McCartney ökologisch unkorrekt in London, Seattle, Los Angeles, Mumbai, Miami, Paris, Jacksonville und Sao Paulo. Und braucht man wirklich eine Version von "A Change is gonna come", gesungen von James Morrison? Eine Version von "Tomorrow never knows" mit Dave Matthews?
Interessant allerdings, welche aktuellen Musikgrößen sich auf Hancocks Radar befinden: Pink, John Legend, Juanes, Ceu oder Derek Tucks. Interessant ist das Album, wenn scheinbar Inkompatibles fusioniert wird: Wenn bei "The Times, they are a' changin'" irischer Folk auf Mali-Blues trifft, wenn die Tuareg-Musiker von Tinariwen auf Bob Marleys "Exodus" treffen. Aber vielleicht wollte Hancock ja auch nur ein Album produzieren, das die Nasa bei der nächsten Voyager-Mission Richtung Saturn ins All schießen kann. (Sony) UK (MEIER 8/2010)




