Poetry-Slam-Texte von Karsten Hohage

Poetry-Slam-Texte zwischen zwei Buchdeckel zu pressen muss ungefähr so schwierig sein, wie wenn ein Königspudel und ein Kamel versuchen, gemeinsam Nachwuchs zu bekommen. Nichtsdestotrotz: Karsten Hohage, der seinen Künstlernamen “Grohacke” aus einem Leben vor dem Poetry Slam mitbringt, hat mit seinem Debüt "GRObgeHACKtEs" das Unmögliche möglich gemacht.

Verstecken müssen sich die Texte hinter den Live-Auftritten des 42-Jährigen, der 2003 als erster Poetry-Slam-Außenminister Heidelbergs in die große, weite Slam-Welt hinausging, nicht. Messerscharf und gedankenkühn, unverschämt frech und zuweilen auch frivol ist der Blick des mittlerweile in Weinheim lebenden Slampoeten auf eine Welt der iPhones, X-Ray Scanner und MP3 Player und auf Aviophobie.

Immer sind seine Protagonisten Randfiguren, ein bisschen ver-rückt ohne verrückt zu sein. Sie sind 2,50 Meter groß und müssen sich "eigenhändig ganze Kühe gerben, um einen passenden Schuh zu erhalten". Sie leben in WG-ähnlichem Verhältnis mit ihrem Ficus “Benne” oder unterhalten sich beim Staubsaugen mit russischen Literaten und Bibelfiguren.

Man darf über sie lachen, gewiss, manchmal bleibt einem das Lachen aber auch im Hals stecken. Denn unverhofft können diese komisch-skurrilen Texte ernst werden. Können Frauen nicht nur nervig, sondern richtig gefährlich werden ("Ich sag' doch, ich hab' die Kinder gefressen.") Können sogar Kinderlieder, die mit "Fitze, Fitze, Fatze” ungefähr den Erwartungshorizont eines “Ringel, Ringel, Reihe" aufbauen, bitter enden ("Im Knast rasier'n sie Dir 'ne Glatze"). Wenn Grohacke zur Keule greift, sitzt jeder Schlag. Verdammt gut.

[Elke Barker]

* Karsten Hohage: GRObgeHACKtEs, Lektora Verlag. 188 Seiten. EUR 9.90 Euro

 

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