Bülents Hausautor im MEIER-Interview

Wer Bülent Ceylan lustig findet, findet auch Roland Junghans lustig. Geht gar nicht anders, denn Junghans schreibt die Gags für den Mannheimer Comedian. Im MEIER-Interview spricht der 56-jährige Odenwälder aus Mörlenbach über seine neuesten Pläne. Und verrät, was er von Möchtegern-Comedians hält, warum zehn gute Gags allein nicht reichen und wie man zu Harald Schmidt kommt.

MEIER: Bülent Ceylan bekommt von RTL eine eigene TV-Show, die ab Oktober laufen soll. Was kann Bülent, was andere nicht können?

Roland Junghans: Er kann zum Beispiel Texte wahnsinnig gut und schnell auswendig lernen. Das erleichtert die Arbeit, auch jetzt für die RTL-Show. Und Bülent hat viele darstellerische Möglichkeiten. Außerdem braucht er keine Verkleidung, um von einer Figur in die andere zu wechseln.

MEIER: Melden sich bei Ihnen viele Möchtegern-Comedians, die denken: Was der Bülent kann, kann ich schon lange?

Junghans: Oh ja. Aber die meisten machen sich lächerlich. Was Bülent kann, können sie eben nicht. Neulich hat mir einer ein Video geschickt, auf dem er bloß pfälzisch labert und vor sich hin grinst. Ohne Substanz. Ohne Struktur. Ohne Gags. Ich habe mir gedacht: Junge, lass’ es.

MEIER: Und wirklich talentierte Leute? Ist es schwer für sie, Fuß zu fassen?

Junghans: Ja, das größte Problem für Nachwuchsleute in Deutschland ist: Sie finden keine Agenturen. Oder nur sehr schwer. Deshalb habe ich vor ein paar Monaten im Musikpark Mannheim „Comedikus“ gegründet, eine Comedy-Produktionsfirma. Ich bin ja nicht nur Bülents Autor, sondern arbeite auch mit anderen Künstlern zusammen und schreibe für sie die Texte.

MEIER: Wie sieht Ihre Arbeit bei „Comedikus“ aus?

Junghans: Ich kümmere mich um talentierte Nachwuchsleute. Ich produziere sie und unterstütze sie als Autor und Regisseur. Und: Ich vermarkte sie zusammen mit der Künstleragentur „Grenzfrequenz“ und halte ihnen finanziell den Rücken frei. Im Prinzip all das, was ich damals mit Bülent gemacht habe. Ich will so vermeiden, dass einer mit zehn Witzen auf Tour geht. Das alleine reicht nicht – auch wenn die Gags gut sind.

MEIER: Was ist wichtig?

Junghans: Eigentlich: Alles. Der Auftritt muss von vorne bis hinten stimmen. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Auftritt authentisch sein muss. Dazu gehört aber auch gute Promotion. Und Beziehungen zu bestimmten Leuten können sicher nicht schaden.
MEIER: Wer ist dabei bei „Comedikus“?

Junghans: Didi Saxer, Daniel Helfrich, Boris Stijelja und Marco Herrmann. Didi Saxer hat mit seinem Programm „Sinnbrise“ am 30. April Premiere in der Klapsmühl‘ in Mannheim.

MEIER: Wie läuft’s bisher?

Junghans: Wirklich vielversprechend. Die vier sind toll. Daniel Helfrich zum Beispiel war schon nach kurzer Zeit bei „Ottis Schlachthof“. Bülent hat dafür mehrere Jahre gebraucht.

MEIER: Sie haben es eben erwähnt: Neben „Comedikus“ machen Sie noch weitere Projekte. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Bülent?

Junghans: Klar. Er hat nach wie vor Priorität. Bülent ist eine ganz andere Dimension. Aber die Luft, die ich zwischendurch habe, will ich nutzen, um an der Basis zu arbeiten. Deswegen plane ich auch einen Nachwuchswettbewerb in Mannheim – den „Comedy Kapp“.

MEIER: Ein Comedy-Casting?

Junghans: Nein, ich will die Leute nicht vorführen und mich über sie lustig machen. Geplant ist, junge Talente auf die Bühne vorzubereiten, mit ihnen zu üben, an ihren Stärken zu arbeiten. Und bevor der „Comedy Kapp“ stattfindet, will ich sie richtig beraten und betreuen.

MEIER: Sie selbst sind seit rund 15 Jahren dabei, haben beim Radio angefangen und waren zunächst unter anderem Gag-Schreiber für Harald Schmidt. Wie kommt man zu Harald Schmidt?

Junghans: Ich habe mich irgendwann vorgestellt und gesagt: Hallo, hier bin ich, ich würde gerne für euch schreiben. Dann wurde ich natürlich getestet, das heißt: Morgens kamen die Themen, mittags war Abgabe, und wenn deine Gags für die Stand-up-Nummer am Anfang der Show genommen wurden, gab’s Geld.

MEIER: Sie sagen: Auch eine Hausfrau kann Gags schreiben.

Junghans: Sicher. Wenn du gut bist, ist es denen egal, was du sonst machst. Ich habe schon einige „Amateure“ groß rauskommen sehen. Ganz wichtig dabei: die Liebe zur Sprache. Man sollte mit Sprache umgehen können. Und wenn es so etwas wie eine Qualifizierung für den Beruf gibt, dann vielleicht diese: Man muss eine Macke haben – und ich habe eine.

Interview: Dimitri Taube / Foto: Dietrich Bechtel

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