Gesund geschrumpft?
Mit ihrem neuen Album „24/7“ legen sie ein fantastisches Update hin. Mit Hilfe von Mathias Modica, unter dem Namen Munk als Produzent von Electro-Hipness bekannt, landet die Band in den Clubs der Gegenwart. Mit weniger Textsilben pro Song-Teil und verstärktem Einsatz von Effektgeräten bringt die auf Trio-Größe geschrumpfte Band nun ihren Electro-Funk nach Heidelberg. MEIER sprach mit Sänger Frank Spilker.
MEIER: Frank Spilker, euer Album „24/7“ löst allerorten Begeisterung aus. Wer hatte überhaupt die Idee, ein Sterne-Album von Munk alias Mathias Modica produzieren zu lassen?
Frank Spilker: Schon in den 90er Jahren haben alle möglichen Arten von Electronica unsere Touren begleitet, wie man zum Beispiel an der „Themenläden“-Remix-CD hören kann. In der letzten Zeit haben mich die Veröffentlichungen des New Yorker Labels DFA oft zum Tanzen gebracht. Aber von Mathias’ Label Gomma hatte ich keine Ahnung, bis uns ein Kollege miteinander bekannt gemacht hat. Zunächst ging es nur um einen Track und das gegenseitige Sich-Kennenlernen. Als es dann gut funktioniert hat, haben wir uns überlegt, dass man ja auch mehr zusammen machen kann.
MEIER: Die Sterne klingen auf „24/7“ tatsächlich neu, ohne ihre bisherige Geschichte zu verleugnen. Der Gesang etwa wirkt wie ein Instrument unter vielen. Wie ist es dazu gekommen?
Spilker: Das erste, was wir in Hinblick auf die Platte gemacht haben, war ein Echo-Gerät für den Gesang zu kaufen. Die Idee ist in einer Jam-Session entstanden. Wir hatten da plötzlich ein Stück, das zum Blueprint für das ganze Album werden sollte. Der Echo auf dem Gesang hat das Erzähltempo halbiert, und es ergab sich eine Songstruktur, die wir als modern empfunden haben. Die Songs sind logischerweise jetzt auch meistens doppelt so lang wie zuvor. Oder sie kommen mit weniger Erzählung aus.
MEIER: Hast du auch schon an englischsprachige Versionen deiner Texte gedacht, ähnlich, wie es Falco oder Kraftwerk für den internationalen Musikmarkt gemacht haben?
Spilker: Nicht wirklich. Ich habe meine englischsprachigen Ambitionen auf das Solo-Projekt gebündelt. Mathias Modica von Munk ist sowieso der Meinung, dass die deutschsprachigen Texte im Ausland sehr gut ankommen. Ich glaube, Nick McCarthy von Franz Ferdinand hat sich schon positiv dazu geäußert. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, weil wir außer über das Goethe-Institut noch nie im Ausland veröffentlicht haben.
MEIER: Warum hat der langjährige Keyboarder der Sterne, Richard von der Schulenburg, die Band im Juni verlassen?
Spilker: Wir sind zusammen ins Studio gegangen und Mathias hat irgendwann ein paar zusätzliche Keyboards eingespielt, um den Beat zu stützen. Richards Laune wurde während der Aufnahmen immer schlechter, und irgendwann kam er zu uns und meinte, dass wir das ganze Projekt canceln müssten. Sein Vorschlag war dann die Platte so aufzunehmen, wie wir 2006 „Räuber und Gedärm“ aufgenommen haben. Wir haben uns beratschlagt und abgestimmt, dass wir lieber ohne Richard das neue, als mit Richard das alte Konzept verfolgen wollten.
MEIER: Da Modica produziert hat, habt ihr für die Aufnahmen keinen weiteren Keyboarder gebraucht ...
Spilker: Das eine hat sich aus dem anderen ergeben. Ich muss dazu sagen, dass eigentlich vorher klar war, dass Mathias zusätzliche Keyboards spielen würde, wir hatten ja auch via E-Mail schon einen Plan für die Produktion gemacht. Aber als es dann konkret wurde, hat bei Richard die Eitelkeit zugeschlagen. Schade eigentlich. Was wir im Weiteren machen, wissen wir noch gar nicht so genau. Sicher ist: Wir wollen uns Zeit lassen mit einer Entscheidung und erst einmal zu dritt weiterarbeiten.
Interview: Christoph Braun / Foto: Pamela Russmann (MEIER 4/2010)




