Wüsten-Thriller von Don DeLillo

In seinem jüngsten, lange nachwirkenden Roman "Der Omega-Punkt" macht es Don DeLillo seinen Lesern wieder einmal nicht zu leicht. So lange man über den Plot auch nachsinnt, er bleibt erratisch. Und genau so soll es sein, sonst wäre es kein "Don DeLillo".

Da ist der 73-jährige Gelehrte Richard Elster, "südlich von Nirgendwo" in Wüste, in die er sich zurückgezogen hat, um über die Zeit zu meditieren. Um Zeit geht es auch seinem Besucher, dem jungen Möchtegern-Filmemacher Jim Finley. Elster war während des Irakkrieges für die amerikanische Regierung als eine Art metaphysischer Berater tätig. Finley möchte eine Dokumentation über ihn drehen – kein Schnitt, eine Einstellung: Film in Reinzeit. Statt zu arbeiten, verliert er sich in der Zeitlosigkeit der Wüste, während Elster allerhand Streitbares, Kluges und Kryptisches über sein Lieblingsthema, den Zusammenhang von Auslöschung und Evolution, von sich gibt. Als Elsters Tochter Jessie auftaucht – eine wie durchsichtig scheinende, ganz nach Innen gewandte Mittzwanzigerin –, ändert sich Elsters Verhalten. Sein "Traumobjekt" ist zu Besuch. Doch Jessies Besuch endet unerhört tragisch.

In "Der Omega-Punkt" geht es um weit mehr als das offen Ausgesprochene. Es geht um Schuld, die Leere und das Altern, eine Liebe, die blind ist für den Anderen. Der Roman handelt von Fremdheit, von der Suche nach Sinn und kaum zu bewältigenden Erfahrungen des Verlustes. Das ist viel. Die Verwirrung des Lesers ergibt sich dabei aus der subtilen, momentartigen Verschränkung dieser und anderer Themen, ferner aus zahlreichen Leerstellen, die Verschiedenes bedeuten können. Was auch immer die drei Roman-Figuren im Innersten bewegt, genau wissen kann man es nicht. Der Autor schweigt beredsam. Vielleicht weiß er es selbst nicht so genau.

[Michael Saager]

* Don DeLillo: Der Omega-Punkt. Aus dem Englischen von Frank Heibert. Kiepenheuer & Witsch. 110 Seiten. € 16.95

 

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